Aus dem Gemeindehaus wird eine Seniorenwohneinrichtung
Neckarsulm. Das Gemeindehaus St. Paulus soll sich zu einer Wohn- und Betreuungseinrichtung für Seniorinnen und Senioren entwickeln. Dafür hat die Kirchengemeinde St. Dionysius Neckarsulm mit dem Verkauf des Gebäudes nun den Weg eröffnet.
„Es wird eine spannende Aufgabe“, sagt Rainer Rudolf, Geschäftsführer von Rudolf Wohnbau aus Neckarsulm. Jetzt könne er in den kommenden Monaten mit der konkreten Planung für das Seniorenwohnprojekt beginnen. Das Konzept, wie Rudolf es umreißt, sieht zwei Wohngruppen für jeweils zwölf Personen mit Betreuung sowie zusätzlich barrierefreie Wohnungen mit Flächenmaßen zwischen 30 und 70 Quadratmetern vor. Etwa 20 Millionen Euro nennt der Geschäftsführer als Orientierungsgröße für das Vorhaben.
„Das ist eine schöne Idee“, sagt Petra Felger, gewählte Vorsitzende des Vertretungsgremiums der Kirchengemeinde, über die künftige Perspektive für das Gemeindehaus. Denn es gebe Bedarf für Seniorenwohnen. „Wir können am Bestehenden festhalten, aber dann gibt es keine Entwicklung. Stillstand führt uns nicht weiter“, erklärt Felger zum Verkauf des Gemeindehauses.
Das Gebäude ist sanierungsbedürftig, eine umfassende Renovierung liegt schon mehrere Jahrzehnte zurück. Gleichzeitig sind die Kirchengemeinden in der Diözese Rottenburg-Stuttgart dabei, ihren nichtsakralen Gebäudebestand für eine zukunftsfähige, nachhaltige und gemeinwohlorientierte Nutzung zu optimieren und entsprechend anzupassen. Auslöser dafür ist die sinkende Zahl der Kirchenmitglieder, die damit verbundene rückläufige Kirchensteuer sowie das erklärte Ziel der katholischen Kirche in Württemberg, bis ins Jahr 2040 die Klimaneutralität in ihrem Zuständigkeitsbereich zu erreichen.
Gleichwohl sind alle Beteiligten sich der starken Verbundenheit bewusst, die zahlreiche Gemeindemitglieder zum Gemeindehaus St. Paulus hegen. „Es hängen viele Emotionen daran“, erläutert Pfarrer Siegbert Denk. Im Oktober soll es eine Abschiedsfeier geben.
Die verschiedenen Gruppen, die das Gemeindehaus bisher nutzen, wie zum Beispiel die Pfadfinder oder der Kirchenchor, bekommen Ausweichräume, versichert Pfarrer Denk. Er verweist dabei insbesondere auf die umliegenden Gemeindezentren der Gesamtkirchengemeinde.
Die St. Martin Schulen für Soziale Berufe, die im Gemeindehaus Mieter sind, werden in das frei gewordene, frühere Werkrealschulgebäude der Johannes-Häußler-Schule umziehen. Ein entsprechender Mietvertrag wurde bereits unterzeichnet.
Zur Geschichte des Gemeindehauses gehören zahlreiche Veranstaltungen. So gab es dort einst zum Beispiel Tanzveranstaltungen und Jugenddiscos. Rudolf selbst kennt das Gebäude von Faschingsfeiern aus seinen jungen Jahren, wie er berichtet. Daher wisse auch er um die Bedeutung des Gemeindehauses. Die Verbundenheit, die es zu dem Gebäude gibt, bezeichnet er als Chance für das Seniorenwohnprojekt. Und diese Verbundenheit will er im Konzept aufgreifen. So soll es einen Gemeinschaftsraum geben, in dem einzelne für die Öffentlichkeit offene Veranstaltungen stattfinden sollen. Ebenso will er an den Namen anknüpfen. Außerdem werde die weitere Planung zeigen, welche Teile des Gemeindehauses – wie zum Beispiel eventuell die Fassade – bei der Umgestaltung zur Wohn- und Betreuungseinrichtung erhalten bleiben können.
Info:
Das Gemeindehaus St. Paulus entstand unter der Regie von Pfarrer Josef Sandel und wurde 1929 als „Gemeindehaus und Töchterinstitut St. Paulus“ eingeweiht. Das Haus diente nicht nur für Kultur- und Gemeindeleben, sondern auch für Erziehung und Bildung. Die Erziehungs- und Bildungsaufgaben übernahmen bis 1967 die Sießener Schwestern.