Namenstag im Kloster

Bevor die Karwoche begann, dufte ich noch zum ersten Mal meinen Namenstag in Bonlanden feiern. Hier hat der Namenstag eine viel größere Bedeutung als der Geburtstag, was für mich zunächst ungewohnt war. Bei einem Namenstag wird am Morgen nach dem Frühstück ein Vater Unser und „Gegrüßet seist du Maria“ gebetet. Man erhält ein Geschenk und in diesem Jahr wird für jede von der Provinzoberin ein zufälliger Bibelspruch aus der Bibel ausgesucht. Außerdem darf man sich an diesem Tag ein Lied, sein Lieblingsessen und einen Kuchen wünschen.

Da ich an diesem Tag erst abends vom Heimaturlaub zurückkam, wurde mir beim Abendessen gratuliert, es gab Kaiserschmarrn, mein Lieblingsessen aus Kindheitstagen, und ein großes Stück Kuchen wartete im Kühlschrank auf mich, das eine Schwester liebenswürdigerweise aufgehoben hat. Mein Bibelspruch aus dem Lukasevangelium beinhaltete folgende schöne Zusage, die ziemlich gut zu den Kar- und Ostertagen passt:

„Der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.“

Mein Wunschmittagessen gibt es erst am Ostermontag, da dies für mich ein ganz besonderer Tag sein wird (davon erzähle ich im nächsten Bericht). In Südamerika wird übrigens meistens eher der Geburtstag gefeiert, weshalb man bei uns allgemein von „Gedenktagen“ spricht – bei uns ist es dann der Namenstag und dort der Geburtstag.

Der Beginn der Karwoche

Die Karwoche begann am Palmsonntag mit wunderschönen Palmbuschen unserer Ministranten, einer in verteilten Rollen gelesenen Passionsgeschichte und Palmbrezeln zum Frühstück. Im Anschluss begab ich mich zu ein paar stillen Tagen nach Ulm, wo sich ein kleiner Konvent von uns in unserer Mädchenschule St. Hildegard befindet, und kehrte an Gründonnerstag wieder zurück.

Es waren sehr schöne, intensive und abwechslungsreiche Tage, die wie im Flug vergingen. Wir beteten im kleinen Kreis im Oratorium (siehe Bild oben) das Stundengebet teilweise mit anderen Schwerpunkten und feierten täglich gemeinsam eine Messe. Außerdem beschäftigten wir uns passend zur Karwoche mit den Gottesknechtsliedern und widmeten uns unserem Fastenkalender. Auch die täglichen Wege in der Stille halfen bei der persönlichen Einkehr.

Gründonnerstag

Am Gründonnerstag wurde in unserer frisch renovierten Hauskapelle die Messe vom letzten Abendmahl gefeiert, bevor das Allerheiligste hinaus in die Seitenkapelle gebracht wurde. In der Predigt wies unser Pater auf drei entscheidende Worte aus den Lesungen hin, die alle mit „B“ beginnen– „Blut", „Brot“ und „Beispiel“. Die Kommunion in der Messe fand unter beiderlei Gestalten – Brot und Wein – statt. Im Anschluss daran war noch eine kleine Agapefeier („Liebesmahl“) in unserem Refektiorium, bei der Brot und Wein oder Traubensaft geteilt wurden, bevor draußen auf dem Gelände im Dunkeln eine Ölbergandacht mit verschiedenen Stationen war.

Karfreitag

Am Karfreitag wurde am Morgen gemeinsam die Laudes gebetet, eine Vesper am Abend gab es jedoch nicht mehr. Der gemeinsame Teil des Tages endete mit dem Abendessen. An diesem Tag wurden alle Mahlzeiten komplett in Stille eingenommen. Das Essen schlug dabei quasi eine Brücke zum Aschermittwoch, da es wieder Fastensuppe und am Abend Schwarzer Brei gab.

Am Vormittag gingen wir gemeinsam mit vielen Besuchern den Kreuzweg auf unserem Gelände und starteten dabei wieder an der Ölberggrotte wie schon am Abend zuvor bei der Ölbergandacht.

Nachmittags um 15 Uhr war die klassische Liturgie vom Karfreitag in unserer Klosterkirche. Das Kreuz wurde anschließend zur weiteren Anbetung in die Hauskapelle getragen.

Karsamstag

Der Karsamstag, der begann in aller Stille mit einem freien Frühstück. Wir trafen uns erst um 09:30 Uhr im Kapitelsaal zu einem gemeinsamen Morgenlob, das unter dem Thema „hinabgestiegen in das Reich des Todes“ aus dem Glaubensbekenntnis stand.

Anschließend half ich bei den Vorbereitungen für Ostern in unserer Klosterkirche, wodurch schon die Vorfreude auf das Fest geweckt wurde. Die Orgelmusik im Hintergrund verstärkte dies noch, da parallel dazu schon mal die Lieder für die Vesper am Ostermontag geübt wurden.

Am Nachmittag verschwand ich in der Backküche, um mein traditionelles Osterlamm zu backen. Nach der Vesper und dem anschließenden Abendessen dauerte es nicht mehr lange bis zur Feier der Osternacht.

Osternacht

Im Franziskushof, dem Innenhof unseres Hauptgebäudes, gab es ein Osterfeuer, an dem unsere Osterkerze entzündet wurde. Diese Kerze durfte ich anschließend in den zweiten Stock zur Hauskapelle tragen, von wo aus unser Pater schließlich das Osterfeuer an die Gottesdienstbesucher verteilte.

Nach dieser wunderschönen Osternachtsfeier in der Hauskapelle gab es noch Osterlämmer und Eierlikör im Speisesaal.

Ostersonntag

Nachdem früh am Ostermorgen österliche Flötenklänge in unseren Gängen zu hören waren, wurde um 7:00 Uhr in der Laudes mit einem Halleluja nicht nur im Eröffnungsruf die Auferstehung unseres Herrn gefeiert. Später am Morgen nach einem Frühstück mit Osterbrot fand in der Klosterkirche eine feierliche Eucharistiefeier mit Weihrauch statt.

Natürlich gab es auch ein Geschenk vom „Osterhasen“. Beim gemeinsamen Kaffee am Nachmittag durften wir ein Kreuzworträtsel lösen. Die Lösung verriet uns den Raum, in dem die Süßigkeiten versteckt waren.

Nach der Vesper und dem anschließenden Abendessen klang der erste Osterfeiertag mit der Komplet aus.

Morgen, am Ostermontag, beginnt der Tag genau wie heute. Aber nach dem Mittagessen wird der Tag für mich deutlich anders verlaufen…

In diesem Sinne:

Frohe Ostern!!!

St. Hildegard i...
St. Hildegard in Ulm
St. Hildegard i...
St. Hildegard in Ulm - Franziskus im Schulhof
Ölberggrotte
Ölberggrotte
Frisch renovier...
Frisch renovierte Hauskapelle an Gründonnerstag
Osterlämmer in ...
Osterlämmer in der Osternacht
Osterfeuer im F...
Osterfeuer im Franziskushof
Osterkerze in d...
Osterkerze in der Hauskapelle
mein Osterlamm
mein Osterlamm
Osterkerze und ...
Osterkerze und Evangeliar in der Klosterkirche