Nachdem ich zwei wunderschöne Wochen im Urlaub in der Heimat verbracht habe (u.a. am Crêpes-Stand des Kirchenchors auf dem Ganzhornfest wie auf dem Bild zu sehen ist), bin ich mittlerweile schon wieder fast zwei Wochen zurück in Bonlanden. Eigentlich dachte ich, dass nach dem Ende der Sommerferien etwas Alltag einkehrt, aber wie ich mal wieder festgestellt habe, gibt es hier im Kloster einfach keinen Alltag. Einige der während des Sommers ausgesetzten Aktivitäten wie das Bibelteilen befinden sich immer noch in der Sommerpause und selbst unser regulärer Tagesablauf kam öfter durcheinander. Normalerweise kann man sich hier wenigstens darauf verlassen, dass zumindest meistens die Gebetszeiten dem Tag eine gewisse Struktur geben, aber in der letzten Zeit sorgten diverse Ereignisse dafür, dass fast kein Tag mehr wie der andere war. Es fielen teilweise Messen aus oder wurden verschoben, Stundengebete sollten privat gebetet werden oder fanden zu einer anderen Uhrzeit statt.

Kirchliche Feste und deren Auswirkung auf den Alltag

Gleich nach meiner Heimkehr wurde die Messe von Donnerstagabend auf Freitag 7:00 Uhr verschoben, da an diesem Tag Mariä Geburt gefeiert wurde und man als marianische Gemeinschaft an einem solchen Fest schon eine Messe feiern sollte. Normalerweise ist bei uns nämlich freitags keine Messe. Da ich in dieser Woche Lektorendienst hatte, musste ich kurzfristig bis zu dieser frühen Stunde die Lesung abstimmen und die Fürbitten auftreiben. Manchmal ist das hier gar nicht so einfach, da man ja bei mehreren Lesungen zur Auswahl erst noch den Pater finden und fragen muss und wenn eine Schwester Namenstag hat, muss man für sie auch noch eine eigene Fürbitte einbauen.

Die gemeinsame Anbetung am darauffolgenden Donnerstag und die anschließende Mittagshore fiel einer vorbereitenden Sitzung der Schwestern für das anstehende Provinzkapitel zum Opfer. Ein weiteres Ereignis war das Patrozinium in der Dorfkapelle von Bonlanden, das in der Vorabendmesse auf den 14. September (Kreuzerhöhung) mit dem Dekan und der Musikkapelle gefeiert wurde. Damit auch wir daran teilnehmen konnten, wurde die Vesper und das anschließende Abendessen um eine viertel Stunde vorverlegt. Anschließend ging es hinunter ins Dorf und zum Abschluss des Tages hatte ich direkt im Anschluss noch Chorprobe.

Festliche Auftritte mit dem Chor und "stille" Tage

Unser Chor ist schon wieder ziemlich aktiv nach einer verkürzten Sommerpause. Vergangenes Wochenende sangen und feierten wir auf dem 50. Geburtstag eines Chormitglieds. Als Highlight wurde für das Geburtstagskind das Lied „mein kleiner grüner Kaktus“ mit einem neuen Text versehen. Dieses Wochenende gestalteten wir die Hochzeit der Tochter eines anderen Chormitglieds musikalisch mit, die in Illerbachen, einem anderen Stadtteil von Berkheim, stattfand. Gleich danach durfte ich noch unsere Sakristei für die Sonntagsmesse zum ersten Mal alleine vorbereiten, da alle Schwestern in einer weiteren Sitzung wegen des bereits erwähnten Provinzkapitels waren. Der Gottesdienst gestern verlief übrigens ohne Zwischenfälle, ich habe also wahrscheinlich nichts vergessen.

Sogar der „stille Tag“ am Samstag davor war gar nicht so still, da eine große Hochzeit in der Klosterkirche gefeiert wurde, bei der ich als Assistentin der Mesnerin im Einsatz war. Außerdem standen an diesem „stillen“ Tag noch das Putzen des Refektoriums sowie der Lektorendienst in der Messe an.

Erntezeit

Neben diesen Ereignissen arbeitete ich weiterhin im Gemüsegarten, wobei die Termine mit der Gemeinschaft natürlich Vorrang hatten und sich daher auch auf meine Arbeitszeiten auswirkten. Es kam aber auch vor, dass ich am Vormittag länger arbeiten konnte, wenn die Mittagshore ausfiel und ich erst zum Mittagessen gehen musste.

Bei der Arbeit im Garten spürt man mittlerweile deutlich, dass sich das Jahr so langsam dem Ende zuneigt. Wir ernten schon typisches Wintergemüse wie Rote Beete oder Lagermöhren, setzen keine Jungpflanzen mehr auf den Acker und räumen die ersten Kulturen komplett ab. Besonders schwer fiel es mir, mich von meinem Lieblingsgemüse, den Gurken, zu trennen. Jetzt herrscht dort im Gewächshaus nur noch gähnende Leere wie auf dem Bild zu sehen ist.

Außerdem wird der Arbeit schon ständig davon gesprochen, dass bald mit dem Aufbau unserer Adventsveranstaltung begonnen werden muss, die ich im letzten Bericht ja schon angekündigt habe. Es soll dort auf jeden Fall eine besondere Krippe geben, zu deren Vorbereitung ich auch beitragen darf. Dazu später mehr.

Franziskanischer Spiritualitätsweg

Für eine Unterbrechung der Gartenarbeit sorgte ein fast dreitägiges Mitarbeiterseminar zum Thema „Franziskanischer Spiritualitätsweg“, das von zwei Schwestern der INFAG in unserem Tagungshaus durchgeführt wurde. Die INFAG steht für die Interfranziskanische Arbeitsgemeinschaft und ist ein lockerer Zusammenschluss der Gemeinschaften der franziskanisch-klarianischen Familie im deutschen Sprachraum.

Bei diesem Seminar, das aus drei Einheiten bestehen wird, nahmen sowohl ein paar Schwestern, als auch ein Teil der Mitarbeiter und zwei externe Gäste teil. Für mich passt dieses Seminar natürlich ziemlich gut in meine spirituelle Ausbildung hinein.

Das Thema der ersten Einheit war „Hineingeboren“. Es wurde das Leben des Heiligen Franziskus beleuchtet und wir hatten Zeit, auf dieser Basis über unseren eigenen Lebensweg und unsere Träume nachzudenken.

In diesem Zusammenhang haben wir das folgende Gebet von Franziskus näher betrachtet.

„Höchster glorreicher Gott,
erleuchte die Finsternis meines Herzens
und schenke mir rechten Glauben,
gefestigte Hoffnung und vollendete Liebe.
Gib mir das rechte Empfinden und Erkennen,
damit ich deinen heiligen
und wahrhaften Auftrag erkenne.“

Er hat es vor dem Kreuz in der damals verfallenen Kapelle von San Damiano gebetet, in der er wohl seinen Auftrag, „das verfallene Haus Christi“ wiederaufzubauen, erhalten hat. Auch im weiteren Leben blieb San Damiano ein wichtiger Ort für Franziskus. Auf dem Bild ist eine Kopie dieses Kreuzes von San Damiano zu sehen, das sich in meinem Meditationsraum befindet.

Außerdem haben wir über die Taufe und die Bedeutung des eigenen Namens und des dahinterstehenden Namenspatrons gesprochen. Passend dazu haben wir uns im Morgenlob mit dem Kapitel 43 aus dem Buch Jesaja beschäftigt, in dem u.a. dieser Vers zu finden ist:

„ich habe dich beim Namen gerufen, du gehörst mir.“ (Jes 43,1)

Dieses Thema brachte mich vor allem in meiner aktuellen Situation zum Nachdenken über die noch anstehende Entscheidung, ob ich meinen Namen behalten oder einen neuen Namen wählen werde. Seit dem Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils kann man sich hier im Kloster Bonlanden den Namen selbst aussuchen, vorausgesetzt, dass es ein einigermaßen geläufiger Name ist und es keine andere Schwester mit diesem Namen gibt. Der Schwesternname wird bei der Aufnahme in das Noviziat vergeben, weshalb ich zum Glück noch etwa ein halbes Jahr Zeit habe bis ich mich entscheiden muss…

Auch die nächste Zeit wird genauso spannend und abwechslungsreich weitergehen. Bei uns finden nicht nur die Bundestagswahlen statt, sondern es wird auch eine neue Provinzoberin gewählt. Außerdem steht eine Fahrt nach Hegne an, Kartoffelernte, Karottenernte, Erntedank, Patrozinium, Franziskusfest, … Aber dazu zu gegebener Zeit mehr…