Ereignisreiche Zeiten liegen hinter mehr seit ich das letzte Juniwochenende im „Heimaturlaub“ verbrachte und dabei auch gleich die Firmung in Neckarsulm besuchte.

In der darauffolgenden Woche fanden für die Schwestern Exerzitien bei Weihbischof Dr. Johannes Kreidler statt. Ich selbst nahm zwar nicht daran teil, war aber doch indirekt betroffen, da während der Mahlzeiten geschwiegen wurde und die Gottesdienstzeiten verändert waren. Die Laudes begann eine halbe Stunde später und jeden Tag war vor dem Mittagessen eine Messe mit dem Weihbischof. Dies hatte natürlich auch Einfluss auf meine Arbeitszeiten im Garten – morgens später kommen und dann gleich noch früher in die verlängerte Mittagspause gehen…

Eine.Welt.Kirche

Am Ende der Exerzitien besuchte ich mit einigen Schwestern die Jubiläumsveranstaltung zum 50-jährigen Bestehen der Hauptabteilung Weltkirche unserer Diözese in Rottenburg, bei der wir auch einen eigenen Stand hatten (siehe Bild). Neben unserem Bischof waren noch viele Gäste aus verschiedenen Teilen der Welt dabei und es gab ein buntes Programm. Besonders berührt hat uns die Rede des Erzbischofs aus dem Irak und die Begegnung mit einem Bischof aus der Ukraine, der die Bonlandener Schwestern persönlich um ihr Gebet bat.

Einen Tag später wurden die diesjährigen Profess-Jubiläen der deutschen Schwestern mit einem festlichen Gottesdienst in der Klosterkirche gefeiert. Im Anschluss an den Gottesdienst verbrachten die Jubilarinnen den Festtag mit ihren Angehörigen. Dieses Jahr gab es in Bonlanden drei Jubilarinnen: eine Schwester mit 65 Profess-Jahren und zwei weitere Schwestern mit jeweils 60 Profess-Jahren.

 

 

 

Gartenarbeit

Auch der dritte Tag in Folge war etwas Besonderes für die Gemeinschaft, er war vor allem für mich persönlich auf meinem weiteren Weg in Bonlanden wichtig. Damit ist jetzt aber nicht meine „Traktorfahrstunde“ bei der Gartenarbeit gemeint, sondern erst die Vesper am Abend, von der ich im nächsten Abschnitt berichten werde. Zuvor musste ich jedoch wie an jedem Werktag ganz normal arbeiten gehen.

Da mein Kollege bald Urlaub hat, hat er beschlossen, dass ich jetzt auch mal lernen muss mit dem Traktor zu fahren und so drehten wir ein paar Runden um das Klostergelände, während mir ein paar Schwestern beim Spaziergang begeistert zuwinkten. Ich merkte dabei schnell, dass so ein Traktor sich doch etwas anders verhält als ein Auto. Bremsen geht nur mit vollem Körpereinsatz, da ich sonst nicht die Bremse komplett durchtreten kann, und auch die Lenkung hat einen viel kleineren Radius, weshalb ich bei der ersten Linkskurve fast im Kartoffelacker gelandet wäre. Schließlich schaffte ich es doch noch den Traktor erfolgreich in der Garage zu parken…

 

 

Postulatsaufnahme 03.07.2017

Am gleichen Abend fand in der Vesper meine Aufnahme ins Postulat statt. Das Postulat ist die erste offizielle kirchenrechtliche Stufe in der Ordensausbildung und dauert neun Monate. Im Anschluss an das Postulat folgt das Noviziat. Das Wort ‚postulare‘ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „fordern, erbitten“. Man erbittet sich quasi die Aufnahme in die Gemeinschaft und fordert dazu die Begleitung von Gott und der Gemeinschaft auf diesem Weg. Diese Phase soll dem genaueren gegenseitigen Kennenlernen und Hineinfinden in die Gemeinschaft dienen und man soll sich in dieser Zeit weiter prüfen in einem Leben nach dem Evangelium, in dem diese Lebensform gründet.

Die Vesper zur Postulatsaufnahme habe ich zusammen mit unserer Generaloberin Schwester M. Angelika Maiß vorbereitet. Bis auf den Aufnahmeritus im Anschluss an die Lesung war es eine klassische Vesper, für die ich drei Psalmen, das Lied zum Hymnus am Anfang und den Zwischengesang (Responsorium) herausgesucht habe.

Während des Aufnahmeritus überreichte mir unsere Generaloberin ein TAU, das ich als Zeichen meiner Zugehörigkeit zur Gemeinschaft als Postulantin jetzt immer tragen werde. Am Ende sprach sie mir noch den franziskanischen Segen zu.

Auf dem Bild bin ich zusammen mit unserer Generaloberin in der Hauskapelle im Anschluss an die Vesper zu sehen. Weitere Bilder von der Vesper gibt es auf der Seite vom Kloster Bonlanden hier.

Den Tag 03.07. habe ich mir übrigens bewusst ausgesucht, da an diesem Tag das Fest des Hl. Thomas stattfindet und mein Großonkel, der Augustinerpater war und mich getauft hat, mit Geburtsnamen Thomas hieß. Als Lesung wählte ich daher auch das Tagesevangelium vom zweifelnden Thomas und seinem anschließenden Bekenntnis

„mein Herr und mein Gott!“

sowie der anschließenden Aussage von Jesus:

„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“

Nach der Vesper gab es noch ein gemeinsames Abendessen im Refektorium mit einem guten Tropfen „St. Dionysius-Wein“…