Jetzt bin ich schon etwas mehr als einen Monat hier in Bonlanden – wie schnell doch die Zeit vergangen ist und doch habe ich auch den Eindruck, dass ich schon viel länger hier bin. Auch die Generaloberin empfand es so. Als wir uns beim Essen darüber unterhielten, dass ich jetzt einen Monat da bin, sagte sie: „Es kommt mir eher so vor als wären Sie schon ewig hier.“

Mittlerweile hat sich schon etwas der Alltag eingestellt. Ich arbeite noch fleißig im Garten, wo das Unkraut, aber auch die reifen Früchte zunehmen. Zweimal die Woche liefere ich Ware aus und fahre nach Benningen zu einem Bio Laden. An zu heißen Tagen darf ich abends noch den Regner ausschalten, da ich direkt am Garten "wohne". Auch am Wochenende hatte ich schon an den heißen Tagen Gießdienst. Damit ich sonst am Wochenende nicht das Gefühl habe faul zu sein, helfe ich dann im Refektorium beim Tisch decken und abräumen.

Neben der Arbeit gibt es noch regelmäßige Veranstaltungen wie das Bibel teilen, bei dem einmal die Woche das aktuelle Tagesevangelium in einer Gruppe von Schwestern thematisiert wird. Anschließend beten wir die Vesper separat in der Formation, also nur die drei Schwestern, die für meine Ausbildung zuständig sind, und ich. Dies sind immer schöne Abende, die sich auch etwas in die Länge ziehen können, da man mal ohne Zeitdruck essen und sich unterhalten kann (es wartet ja nicht der ganze Konvent bis man endlich fertig ist).

Einmal die Woche habe ich auch eine Stunde „Unterricht“ in Liturgie. Die Themen sind oft passend zum Kirchenjahr, zum Beispiel beim letzten Mal Heiliger Geist, davor Maria im Marienmonat Mai und zu Beginn die Grundlagen des Stundengebets.

Stundengebet

Heutzutage ist das Stundengebet nicht mehr so bekannt, weshalb ich zumindest ein paar Informationen dazu geben möchte (immerhin gibt es ja an Hochfesten normalerweise auch eine feierliche Vesper in St. Dionysius).

Hier in Bonlanden wird in der Hauskapelle (siehe Bild) die Laudes am Morgen, die Vesper am Abend, werktags die Mittagshore (Sext) und am Sonntagabend die Komplet (das Nachgebet) gebetet. Die älteren Schwestern haben mir erzählt, dass früher auch noch die anderen Gebetszeiten gebetet wurden wie die Prim, die Terz oder die Non, aber nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil beschränkte man sich auf diese Gebetszeiten.

Das Stundengebet wird meistens aus dem sogenannten Christuslob gebetet, aber es kommt auch mal vor, dass wir das neue Gotteslob oder eine selbst zusammengestellte Variante verwenden. Die Texte der Vesper und der Laudes gehen immer über vier Wochen, danach fängt man wieder von vorne an.

Die Laudes und die Vesper sind ähnlich aufgebaut. Grob gesagt beginnt man mit einem Hymnus, dann folgen zwei Psalmen und ein Lobgesang entweder aus dem Alten oder aus dem Neuen Testament. Diese Texte werden von Antiphonen (Kehrversen) umrandet. Nach der Lesung kommt ein Antwortgesang und anschließend bei der Laudes das Benedictus (Lobgesang des Zacharias), bei der Vesper das Magnificat (Lobgesang Mariens), bei der Komplet der Lobgesang des Simeon. Es folgen Fürbitten und das Vaterunser vor dem Schlussgebet und Segen. Zum Abschluss wird noch ein kurzes Franziskanisches Loblied gesungen wie dieses:

„Wir beten dich an, unsern Herrn, unsern Gott! Preisen deine Größe, deine Gegenwart.“

Bei der Mittagshorebeschränkt man sich übrigens neben Hymnus, Lesung, Gebet und Segen auf einen Psalm (man muss ja auch wieder arbeiten gehen…).

Feiertage im Kloster

Im Moment ist die Zeit ja geprägt von vielen Feiertagen. Dies merkt man auch im Stundengebet, da es an den Feiertagen eigene Hymnen, Psalmen und Antiphonen gibt. Oft muss man dadurch ziemlich blättern, da im Christuslob beim jeweiligen Fest nur die Antiphon steht, der Psalm dazu aber an einer anderen Stelle bei den normalen Wochentagen.

Das Besondere ist auch, dass ein Feiertag schon immer am Abend vorher mit der Vesper (die sogenannte Vorvesper) beginnt, also wurde zum Beispiel Pfingsten schon am Samstagabend gefeiert.

Besonders schön fand ich auch, dass in der Osterzeit statt der normalen Antiphonen bei den Psalmen meistens „Halleluja“ gesungen wurde.

Ansonsten wurden die Feiertage auch in der Gemeinschaft ein bisschen gefeiert: es gab weiße Tischdecken, am Pfingstsonntag trafen sich alle nachmittags zum Kaffee (dies ist an allen großen Hochfesten so) und es gab wie meistens sonntags zum Mittagessen Eis als Nachtisch…

Bei den Eucharistiefeiern gab es hier keine großen Besonderheiten. An Christi Himmelfahrt machten wir eine kleine Öschprozession zur Herz-Jesu-Statue (siehe Bild) am Weiher mit zwei Stationen – die Prozession war aber viel kürzer als es in Neckarsulm üblich ist und der Gottesdienst fand vorher in der Klosterkirche statt.

Im Mai besuchten wir zusammen eine Maiandacht in der Wallfahrtskirche in Maria Steinbach – eine typische prachtvolle Barockkirche in Bayern. Auch im Konvent wurden Maiandachten im kleinen Kreis einmal die Woche gefeiert zusätzlich zu den beiden Marienandachten in der Kirche mit der Gemeinde.

Besuch

Ein weiterer Höhepunkt im Mai war der Besuch von zwei ehemaligen Kolleginnen über Christi Himmelfahrt, mit denen ich zwei wunderschöne Tage hier verbracht habe. Wir haben uns das ganze Gelände angeschaut, die Blütenbracht und die Schafe ("Schäf" wie die alten Schwestern gerne sagen) bewundert und im Klostercafé Kuchen und Eis verzehrt. Außerdem bekamen bei beiden eine private Führung durch das Krippenmuseum von der Generaloberin und im Kräutergarten von der zuständigen Schwester. Bei den Mahlzeiten habe ich den beiden im Speisesaal Gesellschaft geleistet und nicht wie sonst im Refektorium gegessen. Dies ist auch bei den Schwestern so üblich, wenn man Besuch hat.

Die beiden kamen auch mit zur Vesper, wo die größte Herausforderung war immer die richtige Stelle im Christuslob zu finden, da es wegen Christi Himmelfahrt wie oben beschrieben eine eigene Vesper gab, deren Psalmen an diversen anderen Stellen zu finden waren. Wir haben es aber geschafft!

Fazenda

Außerdem hat uns im Mai hier noch das Thema „Fazenda da Esperança“ beschäftig. Eine „Fazenda da Esperança“ oder einfach nur „Fazenda“ ist hierzulande noch weitgehend unbekannt. Der Begriff kommt aus dem portugiesischen und bedeutet übersetzt „Hof der Hoffnung“.

So werden Einrichtungen bezeichnet, auf denen ehemalige Abhängige ein Jahr lang ihre Rekuperationsphase in Verbindung mit den christlichen Werten und dem Wort Gottes verbringen können. Die Betroffenen sollen in einem ganzheitlichen Prozess frei werden von jeglicher Art von Abhängigkeit wie zum Beispiel Drogen oder Alkohol um anschließend ein neues, selbstverantwortliches Leben zu beginnen. Auf einer Fazenda leben die Betroffenen in Lebensgemeinschaften zusammen und versorgen sich weitgehend selbst. Diese Fazendas sind ursprünglich in Brasilien entstanden und verbreiten sich mittlerweile von dort aus in die ganze Welt. Eine Bonlandener Schwester in Südamerika hilft bei der geistlichen Betreuung einer Fazenda in Argentinien.

Im Mai waren ehemalige Betroffene aus Südamerika auf ihrer „Missionsreise“ durch Europa einen Nachmittag bei uns im Kloster zu Gast, berichteten von den Fazendas, sangen selbstgedichtete Lieder und einer der Gruppe erzählte sehr berührend seine eigene Lebensgeschichte (siehe Bild). Am darauffolgenden Samstag fand auch noch auf einer Fazenda in Irsee bei Kaufbeuren ein Hoffest mit Festgottesdienst zum 10-jährigen Jubiläum dieser Fazenda statt, wo ich zusammen mit der Generaloberin und einer weiteren Schwester dabei war.

Dort sahen wir einen Teil der Gruppe wieder, die zuvor in Bonlanden war. Diese jungen Männer hatten eine Überraschung im Gepäck: ein Video mit einer Grußbotschaft der Bonlandener Mitschwestern aus Südamerika. Als Antwort haben wir ebenfalls ein Video gedreht. Dabei merkten wir wie klein doch die Welt sein kann und dass ein solches Projekt wie die „Fazenda da Esperança“ die Menschen weltweit miteinander verbindet und Hoffnung auf ein besseres Leben gibt.

Hier gibt es noch ein paar Bilder dazu (unten habe ich jetzt übrigens auch eine Bildergalerie mit allgemeinen Bildern aus Bonlanden eingefügt).

 

Bei der Arbeit....
Bei der Arbeit..
Tomaten
Tomaten
Kohlrabi
Kohlrabi
Essbare Blüten
Essbare Blüten
Die ersten Gurk...
Die ersten Gurken
"Schäf" bei der...
Blütenpracht au...
Blütenpracht auf dem Gelände
Blütenpracht im...
Blütenpracht im Kräutergarten
Kräutergarten
Kräutergarten
Auf der Fazenda...
Auf der Fazenda in Irsee
Kapelle der Faz...
Kapelle der Fazenda in Irsee
Festgottesdiens...
Festgottesdienst auf der Fazenda in Irsee
Kirche Maria St...
Kirche Maria Steinbach