Berichte aus dem Kloster Bonlanden

Vorwort

Herzlich willkommen auf dieser Seite über das Kloster Bonlanden und mein Leben dort. Für alle, die mich nicht kennen und sich wundern, warum auf der Seite der Seelsorgeeinheit Neckarsulm Berichte aus einem Kloster im Landkreis Biberach stehen, möchte ich mich kurz vorstellen.

Ich bin Lea Wasser, stamme ursprünglich aus Bad Friedrichshall und bin 2011 nach dem Ende meines Studiums nach Neckarsulm gezogen, wo ich auch bis März 2017 in der IT Branche arbeitete. Je länger ich in Neckarsulm war, desto mehr wuchs ich in das Gemeindeleben der Kirchengemeinde St. Dionysius und der Seelsorgeeinheit Neckarsulm hinein.

Irgendwann spürte ich jedoch, dass mir das Ehrenamt nicht ausreicht und habe mich für einen heutzutage etwas ungewöhnlichen Schritt entschieden – ich ging ins Kloster um Franziskanerin zu werden.

Seit dem 01. Mai 2017 lebe ich nun im Kloster Bonlanden und werde von dort aus immer mal wieder berichten um vom heutzutage eher fremd gewordenen Leben im Kloster zu erzählen, diesen wunderbaren Ort Bonlanden bekannter zu machen und um mit meiner Heimatgemeinde in Kontakt zu bleiben.

 

 



 

In der ersten Oktoberwoche machte ich hier in Bonlanden eine neue Erfahrung zum Thema Feiertage. Am 03.10.2017 war ja Tag der Deutschen Einheit, ein nichtkirchlicher Feiertag. Natürlich war auch bei uns im Garten dieser Tag arbeitsfrei, aber ansonsten ging alles seinen geregelten Gang (was nicht heißen soll, dass in den Gebeten die Deutsche Einheit nicht berücksichtigt wurde). Da ich nicht im Garten arbeiten musste, half ich im Refektorium mit, ging zur Anbetung und backte einen Kuchen für den nächsten Tag – den eigentlichen Feiertag bei uns im Kloster.

Franziskusfest

Der 04. Oktober ist nämlich der Gedenktag des Heiligen Franziskus und somit ein ganz wichtiges Fest für alle Franziskaner. Zur Vorbereitung auf das Fest wurde bereits an neun Tagen im Voraus in der Laudes eine Novene eingefügt, welche die einzelnen Strophen des von Franziskus geschriebenen Sonnengesangs thematisierte.

Begonnen wurde die eigentliche Feier bereits am Vorabend mit dem sogenannten Transitus, einer speziellen Form der Vesper. Im Transitus wird die besondere Art des Heimgangs von Franziskus gefeiert. Er ließ sich vor seinem Tod von seinen Brüdern aus Assisi heraus in die kleine Portiunkula-Kirche bringen, die er einst eigenhändig wiederaufgebaut hatte, und starb dort nackt und arm auf dem Boden - wie Jesus am Kreuz - im Kreise seiner Gefährten.

Im Transitus hörten wir Auszüge aus dem Testament von Franziskus und weitere Texte und Gebete von ihm, wir betrachteten auch in der Stille seinen Tod als ein Hinübergehen in das neue Leben und sangen den Sonnengesang. Bei diesem Fest war vor allem die letzte Strophe passend, die von „Schwester Tod“ handelt:

„Gelobt seist du, mein Herr, für unsere Schwester, den leiblichen Tod,

kein lebender Mensch kann ihm entrinnen.

Wehe jenen, die in tödlicher Sünde sterben.

Selig, die er finden wird in deinem heiligsten Willen,

denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.“

(Auszug aus dem Sonnengesang des Franz von Assisi)

Der nächste Tag begann mit einem feierlichen Gottesdienst zum Franziskusfest. Leider spielte „Schwester Orgel“ nicht mit, weshalb unsere Hausoberin spontan mit der Flöte begleiteten musste und so dem Gottesdienst doch noch eine würdige Umrahmung gab (mal sehen, wann wir uns wieder an „Schwester Orgel“ erfreuen dürfen).

Nach knapp 2,5 Stunden Gartenarbeit (für meine Kollegen war es ein ganz normaler Arbeitstag…), einer feierlichen Mittagshore und dem anschließenden gemeinsamen Mittagessen mit gutem Dionysius-Wein trafen sich alle Schwestern und ich zu einem Spaziergang auf dem Klostergelände. Im Innenhof, dem sogenannten "Franziskushof", wurde ein Lied über Franziskus vor der Franziskusstatue gesungen und danach besuchten wir die bereits umgesetzten Stationen aus dem Sonnengesang, Schwester Wasser und Mutter Erde.

Abgerundet wurde der Nachmittag mit einer gemeinsamen Kaffeestunde. Die Schwestern feierten noch eine gemeinsame Vesper vor dem Abendessen, was ich leider beides wegen eines Fahrdienstes nicht mehr mitbekommen habe. Dafür sangen wir in der Chorprobe am Abend auch noch schöne Franziskus-Lieder.

Erntedank, Patrozinium und Rosenkranzfest

Schon am darauffolgenden Wochenende stand das nächste Fest an. Am 07. Oktober war das Rosenkranzfest, was wir auch noch am nächsten Tag in der Sonntagsmesse teilweise gefeiert haben (die Lesungen waren vom Tag). Leider waren auch am Samstag die Lesungen vom Samstag und nicht wie eigentlich gedacht vom Rosenkranzfest, weshalb ich beim Lektorendienst etwas überrascht am Ambo stand.

Am Sonntag gab es übrigens zum Patrozinium meiner Heimatgemeinde passenderweise mal wieder Dionysius-Wein zum Mittagessen…

Am Wochenende zuvor wurde bei uns in Bonlanden Patrozinium gefeiert und nicht Erntedank, wie es in den meisten anderen Kirchen der Fall war. Bei uns fand das Erntedankfest bereits am letzten Sonntag im September statt, wozu wir aus dem Garten viele Gaben beisteuerten. Da ich an diesem Wochenende jedoch zum Kommunionhelferkurs in St. Johannes war, konnte ich den Gottesdienst nicht miterleben und kann in der Bildergalerie unten nur Bilder vom „Rohbau“ des Erntedankaltars aus unserer Klosterkirche zeigen.

Unsere Klosterkirche ist dem heiligen Erzengel Michael geweiht, dessen Fest am 29. September ist. So wurde am darauffolgenden Sonntag im Gottesdienst unser Patrozinium gefeiert. Für mich war dabei die größte Herausforderung die Kerzen an den Figuren Maria und Josef neben dem Hochaltar anzuzünden, die nur bei wichtigen Festen benutzt werden. Es war schon ein kleiner Balanceakt, die Dochte der Kerzen von den Stufen des Hochaltars aus zu erwischen, ohne sie auch nur ansatzweise sehen zu können.

Kartoffelernte

Neben so vielen Festen und dem normalen Alltagsprogramm gab es auch noch genug Arbeit auf dem Acker – passend zum Erntedankfest. Wir sind gerade dabei, das restliche Gemüse vom Acker zu ernten und für den Winter einzulagern. Interessant war vor allem die Kartoffelernte mit einem kleinen Vollernter. Wir standen zu dritt hinten auf der Fläche des Wagens und mussten die Kartoffeln, die aus dem Boden auf ein Band befördert wurden, vom Unkraut aussortieren.

Am nächsten Tag war der Waldkindergarten zu Gast. Die Kinder durften die Kartoffeln auf herkömmliche Weise vom Acker klauben und hatten vor allem viel Freude, den Regenwürmern Namen zu geben.

Hegne

Wie man sieht, war in der letzten Zeit ziemlich viel los, weshalb ich es noch gar nicht geschafft habe, vom Diözesantreffen der Formation in Hegne zu berichten. Die beiden Diözesen Rottenburg-Stuttgart und Freiburg veranstalten seit diesem Jahr gemeinsam eintägige gemeinschaftsübergreifende Diözesantreffen der Formationsgruppen, also der Frauen in der Ordensausbildung zusammen mit ihren Leitungen. Das erste gemeinsame Treffen dieser Art fand Ende September in Hegne am „schwäbischen Meer“ statt.

Auf der Hinfahrt und den ganzen Vormittag war der Bodensee leider durch den dichten Nebel nicht zu sehen, dafür war es aber umso schöner, als am Nachmittag die Sonne herauskam. Wirklich schön war es auch, andere Novizinnen, Postulantinnen und Kandidatinnen aus verschiedenen Gemeinschaften zu treffen und kennenzulernen.

Nach der Begrüßung und einer Kennenlernrunde haben wir das Klostergelände besichtigt und beteten gemeinsam die Mittagsandacht. Im Anschluss an das Mittagessen nutzten wir die restliche Mittagspause, um zum See zu gehen, wo wir sogar noch mit den Füßen das Bodenseewasser testen konnten. Erfrischt gab es am Nachmittag noch Zeit für eine Besinnung mit anschließendem Austausch bevor jede Gruppe wieder den Heimweg antrat. Diesmal hatten wir Glück mit dem Wetter und konnten bei der Fahrt mit der Autofähre von Konstanz nach Meersburg den blauen Bodensee im Sonnenschein genießen.

Es war eine wertvolle Erfahrung, andere kennenzulernen, die auf dem gleichen Weg sind, und es tut gut, voneinander zu wissen. Wir werden im Gebet miteinander verbunden bleiben bis zu unserem Wiedersehen beim nächsten Diözesantreffen im Februar in Ellwangen.

Bis es soweit ist, kommt aber erst noch die Advents- und Weihnachtszeit, die hier schon deutlich ihre Schatten vorauswirft. Auf dem Weg zum Kühlraum habe ich neulich gesehen, wie die Beleuchtung für unsere Adventsveranstaltung getestet wurde. Es sah doch schon sehr weihnachtlich aus…

Bildstöckle

Das schöne Spätsommerwetter im Moment passt da wirklich nicht dazu und so nutzten wir heute das herrliche Wetter, um zu einem kleinen Ereignis an einer Landstraße in der Nähe unseres Klosters zu spazieren. Ein „Bildstöckle“ mit der Gottesmutter Maria wurde wochenlang von ein paar Familien aus dem Dorf neu aufgebaut und heute unter blauem Himmel und bei Sonnenschein feierlich vom pensionierten Ortspfarrer eingeweiht. Es kamen fast 100 Gäste zu dieser kleinen halbstündigen Feier, die von einer Bläsergruppe umrahmt wurde. In der nachfolgenden Bildergalerie ist auch das neue „Bildstöckle“ zu sehen.

Rohbau des Ernt...
Rohbau des Erntedankaltars
Rohbau des Ernt...
Rohbau des Erntedankaltars
Kartoffelernte
Kartoffelernte
Kartoffelernte
Kartoffelernte
Kartoffelernte
Kartoffelernte
Fahrt nach Hegn...
Fahrt nach Hegne: Bodensee von der Autofähre aus
Rückfahrt von H...
Rückfahrt von Hegne: Meersburg
Rückfahrt von H...
Rückfahrt von Hegne: auf der Autofähre
Es weihnachtet ...
Es weihnachtet bereits...
Hochaltar mit d...
Hochaltar mit dem heiligen Erzengel Michael, dem Kirchenpatron
Hochaltar mit M...
Hochaltar mit Maria und Josef links und rechts daneben
Franziskus
Franziskus
Mutter Erde Gar...
Mutter Erde Garten
Mutter Erde Gar...
Mutter Erde Garten: Rote Bete
Bildstöckle
Bildstöckle

Nachdem ich zwei wunderschöne Wochen im Urlaub in der Heimat verbracht habe (u.a. am Crêpes-Stand des Kirchenchors auf dem Ganzhornfest wie auf dem Bild zu sehen ist), bin ich mittlerweile schon wieder fast zwei Wochen zurück in Bonlanden. Eigentlich dachte ich, dass nach dem Ende der Sommerferien etwas Alltag einkehrt, aber wie ich mal wieder festgestellt habe, gibt es hier im Kloster einfach keinen Alltag. Einige der während des Sommers ausgesetzten Aktivitäten wie das Bibelteilen befinden sich immer noch in der Sommerpause und selbst unser regulärer Tagesablauf kam öfter durcheinander. Normalerweise kann man sich hier wenigstens darauf verlassen, dass zumindest meistens die Gebetszeiten dem Tag eine gewisse Struktur geben, aber in der letzten Zeit sorgten diverse Ereignisse dafür, dass fast kein Tag mehr wie der andere war. Es fielen teilweise Messen aus oder wurden verschoben, Stundengebete sollten privat gebetet werden oder fanden zu einer anderen Uhrzeit statt.

Kirchliche Feste und deren Auswirkung auf den Alltag

Gleich nach meiner Heimkehr wurde die Messe von Donnerstagabend auf Freitag 7:00 Uhr verschoben, da an diesem Tag Mariä Geburt gefeiert wurde und man als marianische Gemeinschaft an einem solchen Fest schon eine Messe feiern sollte. Normalerweise ist bei uns nämlich freitags keine Messe. Da ich in dieser Woche Lektorendienst hatte, musste ich kurzfristig bis zu dieser frühen Stunde die Lesung abstimmen und die Fürbitten auftreiben. Manchmal ist das hier gar nicht so einfach, da man ja bei mehreren Lesungen zur Auswahl erst noch den Pater finden und fragen muss und wenn eine Schwester Namenstag hat, muss man für sie auch noch eine eigene Fürbitte einbauen.

Die gemeinsame Anbetung am darauffolgenden Donnerstag und die anschließende Mittagshore fiel einer vorbereitenden Sitzung der Schwestern für das anstehende Provinzkapitel zum Opfer. Ein weiteres Ereignis war das Patrozinium in der Dorfkapelle von Bonlanden, das in der Vorabendmesse auf den 14. September (Kreuzerhöhung) mit dem Dekan und der Musikkapelle gefeiert wurde. Damit auch wir daran teilnehmen konnten, wurde die Vesper und das anschließende Abendessen um eine viertel Stunde vorverlegt. Anschließend ging es hinunter ins Dorf und zum Abschluss des Tages hatte ich direkt im Anschluss noch Chorprobe.

Festliche Auftritte mit dem Chor und "stille" Tage

Unser Chor ist schon wieder ziemlich aktiv nach einer verkürzten Sommerpause. Vergangenes Wochenende sangen und feierten wir auf dem 50. Geburtstag eines Chormitglieds. Als Highlight wurde für das Geburtstagskind das Lied „mein kleiner grüner Kaktus“ mit einem neuen Text versehen. Dieses Wochenende gestalteten wir die Hochzeit der Tochter eines anderen Chormitglieds musikalisch mit, die in Illerbachen, einem anderen Stadtteil von Berkheim, stattfand. Gleich danach durfte ich noch unsere Sakristei für die Sonntagsmesse zum ersten Mal alleine vorbereiten, da alle Schwestern in einer weiteren Sitzung wegen des bereits erwähnten Provinzkapitels waren. Der Gottesdienst gestern verlief übrigens ohne Zwischenfälle, ich habe also wahrscheinlich nichts vergessen.

Sogar der „stille Tag“ am Samstag davor war gar nicht so still, da eine große Hochzeit in der Klosterkirche gefeiert wurde, bei der ich als Assistentin der Mesnerin im Einsatz war. Außerdem standen an diesem „stillen“ Tag noch das Putzen des Refektoriums sowie der Lektorendienst in der Messe an.

Erntezeit

Neben diesen Ereignissen arbeitete ich weiterhin im Gemüsegarten, wobei die Termine mit der Gemeinschaft natürlich Vorrang hatten und sich daher auch auf meine Arbeitszeiten auswirkten. Es kam aber auch vor, dass ich am Vormittag länger arbeiten konnte, wenn die Mittagshore ausfiel und ich erst zum Mittagessen gehen musste.

Bei der Arbeit im Garten spürt man mittlerweile deutlich, dass sich das Jahr so langsam dem Ende zuneigt. Wir ernten schon typisches Wintergemüse wie Rote Beete oder Lagermöhren, setzen keine Jungpflanzen mehr auf den Acker und räumen die ersten Kulturen komplett ab. Besonders schwer fiel es mir, mich von meinem Lieblingsgemüse, den Gurken, zu trennen. Jetzt herrscht dort im Gewächshaus nur noch gähnende Leere wie auf dem Bild zu sehen ist.

Außerdem wird der Arbeit schon ständig davon gesprochen, dass bald mit dem Aufbau unserer Adventsveranstaltung begonnen werden muss, die ich im letzten Bericht ja schon angekündigt habe. Es soll dort auf jeden Fall eine besondere Krippe geben, zu deren Vorbereitung ich auch beitragen darf. Dazu später mehr.

Franziskanischer Spiritualitätsweg

Für eine Unterbrechung der Gartenarbeit sorgte ein fast dreitägiges Mitarbeiterseminar zum Thema „Franziskanischer Spiritualitätsweg“, das von zwei Schwestern der INFAG in unserem Tagungshaus durchgeführt wurde. Die INFAG steht für die Interfranziskanische Arbeitsgemeinschaft und ist ein lockerer Zusammenschluss der Gemeinschaften der franziskanisch-klarianischen Familie im deutschen Sprachraum.

Bei diesem Seminar, das aus drei Einheiten bestehen wird, nahmen sowohl ein paar Schwestern, als auch ein Teil der Mitarbeiter und zwei externe Gäste teil. Für mich passt dieses Seminar natürlich ziemlich gut in meine spirituelle Ausbildung hinein.

Das Thema der ersten Einheit war „Hineingeboren“. Es wurde das Leben des Heiligen Franziskus beleuchtet und wir hatten Zeit, auf dieser Basis über unseren eigenen Lebensweg und unsere Träume nachzudenken.

In diesem Zusammenhang haben wir das folgende Gebet von Franziskus näher betrachtet.

„Höchster glorreicher Gott,
erleuchte die Finsternis meines Herzens
und schenke mir rechten Glauben,
gefestigte Hoffnung und vollendete Liebe.
Gib mir das rechte Empfinden und Erkennen,
damit ich deinen heiligen
und wahrhaften Auftrag erkenne.“

Er hat es vor dem Kreuz in der damals verfallenen Kapelle von San Damiano gebetet, in der er seinen Auftrag „das verfallene Haus Christi“ wiederaufzubauen, erhalten hat. Auch im weiteren Leben blieb San Damiano ein wichtiger Ort für Franziskus. Auf dem Bild ist eine Kopie dieses Kreuzes von San Damiano zu sehen, das sich in meinem Meditationsraum befindet.

Außerdem haben wir über die Taufe und die Bedeutung des eigenen Namens und des dahinterstehenden Namenspatrons gesprochen. Passend dazu haben wir uns im Morgenlob mit dem Kapitel 43 aus dem Buch Jesaja beschäftigt, in dem u.a. dieser Vers zu finden ist:

„ich habe dich beim Namen gerufen, du gehörst mir.“ (Jes 43,1)

Dieses Thema brachte mich vor allem in meiner aktuellen Situation zum Nachdenken über die noch anstehende Entscheidung, ob ich meinen Namen behalten oder einen neuen Namen wählen werde. Seit dem Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils kann man sich hier im Kloster Bonlanden den Namen selbst aussuchen, vorausgesetzt, dass es ein einigermaßen geläufiger Name ist und es keine andere Schwester mit diesem Namen gibt. Der Schwesternname wird bei der Aufnahme in das Noviziat vergeben, weshalb ich zum Glück noch etwa ein halbes Jahr Zeit habe bis ich mich entscheiden muss…

Auch die nächste Zeit wird genauso spannend und abwechslungsreich weitergehen. Bei uns finden nicht nur die Bundestagswahlen statt, sondern es wird auch eine neue Provinzoberin gewählt. Außerdem steht eine Fahrt nach Hegne an, Kartoffelernte, Karottenernte, Erntedank, Patrozinium, Franziskusfest, … Aber dazu zu gegebener Zeit mehr…

Auch im Kloster Bonlanden spürt man gerade, dass Sommerferien sind.

Es fehlen immer einige Schwestern, die sich im Urlaub oder bei Exerzitien befinden. Urlaub bedeutet entweder „Heimaturlaub“ bei der Familie oder an einem ganz anderen Ort (es kann, aber muss kein anderes Kloster sein). Manche machen auch beides hintereinander, ein paar Schwestern fahren in Gruppen gemeinsam in den Urlaub, andere fahren mit Verwandten weg. Es gibt also verschiedene Möglichkeiten seinen Urlaub als Schwester zu verbringen. Auf jeden Fall hat man als Schwester drei Wochen Urlaub im Jahr. Das wird für mich auch ab der zeitlichen Profess gelten.

Außerdem ist bei vielen Aktivitäten Sommerpause: kein Bibel teilen, kein Chor, kein Unterricht, kein gemeinsames Abendessen der Formation. Formation bedeutet übrigens die Ausbildung hier im Kloster. Damit sind die Schwestern gemeint, die für meine Ausbildung zuständig sind und ich.

Also habe ich außerhalb der Gartenarbeit deutlich mehr Freizeit und kann das zumeist gute Wetter abends genießen (wobei auch Spaziergänge in strömendem Regen bei guter Gesellschaft Spaß machen).

So ganz stimmt es aber nicht mit der Sommerpause beim Chor. Damit uns nicht allzu langweilig wird, sind die Chorleiterin und ich während der eigentlichen Singstunde fleißig dabei, die vorhandenen Noten zu erfassen und zu ordnen. Dabei sind meine Erfahrungen als Notenwartin vom Kirchenchor St. Dionysius sehr hilfreich.

Hochzeit

Gleich zu Beginn der Sommerferien wurde die Ruhe auch noch durch DAS Großereignis des Jahres in Berkheim unterbrochen (der Gartenchef nannte es „Berkheim rockt“):

die Hochzeit des Bürgermeisters von Berkheim in unserer Klosterkirche.

Schon die Vorbereitungen dazu waren recht aufwändig: zusätzliche Bänke in der Kirche (die GANZE Gemeinde war eingeladen), Klärung der Anzahl der zu erwartender Ministranten aus Berkheim, zusätzliche Hocker für die Ministranten (ALLE Ministranten waren eingeladen), Abstimmung des Blumenschmucks, Reparatur der Kniebänke des Brautpaars damit sie nicht während der Trauung zusammenbrechen, Abstimmungen wegen des anschließenden Stehempfangs auf dem Klostergelände, ….

Am eigentlichen Tag selbst kam kurz zuvor trotz guter Vorbereitung noch ein bisschen Durcheinander auf. Es kamen mehr Leute, die alle im Altarraum unterkommen wollten: verschiedene Fahnenträger, die Studentenverbindung des Bürgermeisters (es standen plötzlich ein paar junge Männer in der Sakristei und fragten uns, wo sie sich umziehen können), unser Pater und ein angehender Priester, der die Predigt gehalten hat. Am Ende mussten eben einige der Beteiligten die über 1,5 Stunden lange Hochzeit im Stehen aushalten, während wir von der Sakristei aus die Feier beobachteten und im Herzen dem Bürgermeister und seiner Frau alles Gute und Gottes Segen für die gemeinsame Zukunft wünschten.

Nachdem endlich alles wieder aufgeräumt war, verpasste ich das halbe Mittagessen und putzte anschließend noch den Boden im Refektorium bei Blasmusikunterhaltung, die vom Stehempfang herüberschallte.

Virus

Zwei Wochen später gab es erneut Aufregung am Wochenende, diesmal war der Anlass aber nicht ganz so erfreulich. Am Sonntagmorgen fehlte etwa die Hälfte der Schwestern bei der Laudes und beim Frühstück. Wie sich anschließend herausstellte, ging ein Magen-Darm-Virus um. Zuerst dachte ich ja, dass ich verschont wurde, aber mich traf es dann doch noch mit einem Tag Verspätung. Am Montag schleppte ich mich irgendwie durch den Arbeitstag (man kann Buschbohnen gut im Sitzen ernten) und anschließend noch durch die Vorabendmesse zum Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel. Danach legte ich mich ins Bett, entschloss mich am nächsten Tag lieber nicht zu arbeiten und schlief erst mal 12 Stunden. Das eigentliche Hochfest verbrachte ich im Bett und erschien erst wieder zur Vesper in der Kapelle.

Zum Glück ist hier in jedem Zimmer ein Lautsprecher eingebaut, so dass man im Krankheitsfall die Messen und Stundengebete aus der Hauskapelle und der Kirche auf dem Zimmer mitverfolgen kann. So verpasste ich weder die Laudes noch die Mittagshore.

Zum Sammeln der Kräuter für die Vorabendmesse reichte es krankheitsbedingt leider auch nicht mehr. Da aber am darauffolgenden Sonntag mit der Gemeinde das Hochfest nachgefeiert wurde, wollten wir am Freitagabend einen neuen Versuch starten, doch ein Gewitter, bei dem ich im Gewächshaus Unterschlupf suchen musste, vereitelte auch diesen Plan. Am Samstag schafften wir es dann aber doch noch Kräuter für unsere Kräuterbuschen zu sammeln wie auf dem Bild oben zu sehen ist.

Ausflüge

In der Sommerzeit habe ich auch zwei „Ausflüge“ unternommen. Einmal waren wir von der Formationsgruppe aus im Stuttgarter Planetarium. Im Anschluss an die sehr interessante Vorstellung im Planetarium waren wir noch im Schlossgarten spazieren und Kaffee trinken. Es war schon lustig, wie viele Menschen uns etwas erstaunt angeschaut haben – drei Schwestern im Ordenskleid zusammen mit einer jungen Frau unterwegs in unserer Landeshauptstadt.

Franziskusheim Schwenningen

Die zweite Reise ging zu unserem Standort in Schwenningen, wo sich das Franziskusheim befindet, ein Gebäudekomplex mit Altenheim und Kindertagesstätte. Bilder dazu gibt es in der Galerie unten.

Ich begleitete die Provinzoberin bei ihrer „Abschiedsfahrt“ vor den Neuwahlen im September damit ich auch noch diesen Standort kennenlernen konnte. Die Hinfahrt war schon sehr unterhaltsam, da wir ohne Navi von Dorf zu Dorf fahren mussten und wir beide den Weg gar nicht (in meinem Fall) bzw. nur ein bisschen kannten. Irgendwann kamen wir schließlich am Ziel an, nachdem wir einfach immer Richtung „alle Richtungen“ gefahren sind.

In Schwenningen lernte ich schließlich die drei Schwestern kennen, die dort einen Konvent bilden, und wir verbrachten einen schönen Tag zusammen. Während die Provinzoberin die Schwestern über das anstehende Provinzkapitel Ende September informierte, nutzte ich die Zeit, um zum Neckarursprung zu spazieren (siehe Bild) und Grüße nach Neckarsulm den Neckar entlang mitzuschicken.

Bevor ich mich jetzt selbst in diese Richtung in den zweiwöchigen Heimaturlaub verabschiede und dort hoffentlich viele Freunde und Bekannte treffen werde (die Crêpes vom Kirchenchor auf dem Ganzhornfest sind sehr zu empfehlen!), wollte ich noch eine Veranstaltung in Bonlanden – passend zur Jahreszeit - ankündigen und damit erklären, was es mit dem Bild am Anfang des Berichts auf sich hat:

Am letzten Novemberwochenende (25./26.11.2017) findet im Kloster Bonlanden eine große Adventsveranstaltung mit einem interessanten Rahmenprogramm statt:

MEHR ADVENT – Jetzt ist die Zeit

Weitere Informationen gibt es hier auf der Seite vom Kloster Bonlanden. Ich würde mich auf jeden Fall über Gäste aus der Heimat freuen!

Jetzt steht aber erst noch mein Sommerurlaub an...

Franziskusheim ...
Franziskusheim - Altenheim in Schwenningen
Franziskusheim ...
Franziskusheim - Kindertagesstätte in Schwenningen
Neckarursprung ...
Neckarursprung in Schwenningen
Neckarursprung ...
Neckarursprung in Schwenningen
Neckar in Schwe...
Neckar in Schwenningen
Franziskusheim ...
Franziskusheim in Schwenningen

 

Generalkapitel

Der Juli war sehr spannend hier in Bonlanden. Das lag vor allem daran, dass zwei Wochen lang das sogenannte Generalkapitel war. Ein Generalkapitel findet alle sechs Jahre statt um eine neue Leitung zu wählen, auf die letzten Jahre zurückzublicken und die Weichen für die Zukunft neu zu stellen. Beim Kapitel nehmen Schwestern aus allen Provinzen (in unserem Fall die spanische Provinz mit Argentinien und Paraguay, die portugiesische Provinz mit Brasilien und die deutsche Provinz) als Delegierte teil, weshalb bereits eine Woche vor dem Start des Kapitels 10 Schwestern aus Südamerika bei uns angekommen sind.

Schwestern aus Südamerika

Diese eine gemeinsame Woche mit den Schwestern ging sehr lebhaft zu, man merkte wirklich die andere Mentalität vor allem im Refektorium bei den Mahlzeiten. Auch die gemeinsamen Gottesdienste während des Kapitels, die teilweise von den Schwestern aus Südamerika vorbereitet wurden, spiegelten dies wider – sei es durch die schwungvolle Musik, einen meditativen Tanz statt des Danklieds oder beim tanzenden Einzug mit dem Messbuch zu lateinamerikanischer Musik.

Wir unternahmen vor Beginn des Kapitels ein paar Ausflüge mit ihnen wie z.B. ins Kloster der Franziskanerinnen von Dillingen, wo die Wurzeln vom Kloster Bonlanden liegen, oder zur Fazenda in Irsee.

Für die sprachlichen Barrieren kamen dann noch extra drei Schwestern von anderen Klöstern um beim Generalkapitel zu übersetzen. Dies sorgte dafür, dass so viele Schwester im Refektorium aßen, dass uns manchmal das Geschirr ausging und wir im Tagungshaus „klauen“ mussten.

Während des Kapitels trat plötzlich Ruhe ein, da die Delegierten getrennt von uns im Tagungshaus ihre Sitzungen hatten, aßen und beteten. Vor allem im Refektorium und in der Kapelle bei den Stundengebeten bleib nur noch eine kleine Gruppe übrig.

Neue Generaloberin

Mit Spannung erwarteten auch wir das Ergebnis der Wahl der neuen Generaloberin. Zum ersten Mal wurde eine Schwester gewählt, die nicht aus Deutschland kommt: Schwester M. Graciela aus Argentinien (im Bild die dritte von links / mit Ordenskleid). Nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses gingen wir zum Gebet mit Laternen in die Krypta unter dem Altarraum, wo unser Gründer Faustin Mennel bestattet ist. Dabei sagen wir das folgende spanische Taizé-Lied mit den Worten von Teresa von Ávila:

Nada te turbe,
nada te espante,
qien a Dios tiene
nada le falta.
Nada te turbe,
nada te espante,
solo Dios Basta.

(deutsche Übersetzung: Nichts beunruhige dich, nichts ängstige dich, wer Gott hat, dem fehlt nichts. Nichts beunruhige dich, nichts ängstige dich, Gott allein genügt.)

Am Abend des Wahltags gab es noch ein Grillfest zusammen mit den Angestellten, bei dem die neue Generaloberin auch den Mitarbeitern vorgestellt wurde.

Gute-Erde-Fest

Schon am darauffolgenden Sonntag wurde wieder gefeiert: Schwester Wasser, die neue Station des Sonnengesangswegs, wurde beim Gute-Erde-Fest eingeweiht. Bei schönstem Wetter wurde der schön hergerichtete und mit neuen kreativen Elementen ausgestattete Löschweiher gesegnet. Anschließend gab es Speis und Trank und verschiedene Programmpunkte. Die größte Überraschung an diesem Tag bereitete mir jedoch das Mesner-Ehepaar Zartmann aus St. Dionysius, das plötzlich morgens zum Gottesdienst in der Kirche saß und das Gute-Erde-Fest besuchte. Hier in Bonlanden konnten sie den Gottesdienst ohne Arbeit genießen. Dafür mussten sie warten bis ich mit dem Aufräumen in der Sakristei fertig war, da ich gerade als Vertreterin der Mesnerin eingearbeitet werde…

Auch sonst konnte ich mich über viele Besuche im Juli freuen, darunter auch einige Überraschungsgäste aus der alten Heimat, die ohne Vorankündigung auftauchten und mich zum Glück irgendwo ausfindig machen konnten (wir sitzen hier nämlich nicht den ganzen Tag in der Kapelle und warten bis etwas passiert…). Auf jeden Fall habe ich jetzt viel Übung im Präsentieren des Klostergeländes. Vielen herzlichen Dank für die vielen Besuche! Ich habe mich sehr über die vielen Begegnungen gefreut und zeige immer wieder gerne meine wunderschöne neue Heimat.

Gartenarbeit

Das Unkraut auf dem Acker gehört dabei eigentlich nicht zum geplanten Besichtigungsprogramm. Da aber der Gartenchef zwei Wochen im Urlaub war, hatten meine Kollegin und ich einfach keine Chance gegen den Wildwuchs. Wir waren mit der restlichen Arbeit so eingedeckt, dass wir uns auch ab und zu sogar abends trafen um Tomaten zu ernten. Als Belohnung teilten wir uns nach getaner Arbeit die erste eigene Melone (sehr lecker!).

Neben so vielen Ereignissen fand ich sogar noch Zeit einen leckeren Kuchen zu backen. Er wäre ja eigentlich für die Chorausschusssitzung vom Kirchenchor St. Dionysius in der alten Heimat gewesen, aber die Schwestern haben ihn bereits einen Tag zuvor komplett aufgegessen…

Unten gibt es noch ein paar Bilder zu den erwähnten Ereignissen.

Vor genau drei Monaten kam ich nach Bonlanden. Nach dieser doch relativ kurzen Zeit bin ich schon wirklich gut in die Gemeinschaft integriert und habe sehr viel erlebt. Jetzt freue ich mich aber erst mal auf die hoffentlich etwas ruhigere Sommerzeit…

 

Kloster der Fra...
Kloster der Franziskanerinnen in Dillingen
Kreuz der frühe...
Kreuz der früheren Dillinger Meisterin Theresia Haselmayr, die zur Unterstützung in der Gründungsphase Schwestern nach Bonlanden geschickt hat
Klosterkirche i...
Klosterkirche in Dillingen
Fazenda in Irse...
Fazenda in Irsee
Eierverkauf auf...
Eierverkauf auf der Fazenda in Irsee
Nachtisch beim ...
Nachtisch beim Grillfest nach der Wahl der Generaloberin
Schwester Wasse...
Schwester Wasser
Schwester Wasse...
Schwester Wasser
Besuch aus St. ...
Besuch aus St. Dionys - Familie Zartmann
Gute-Erde-Fest:...
Gute-Erde-Fest: Seifenblasen
Gute-Erde-Fest:...
Gute-Erde-Fest: Seifenblasen
Geschenk aus St...
Geschenk aus St. Dionys für die frühere Generaloberin (wir werden es sonntags genießen...)
Besuch aus Neck...
Besuch aus Neckarsulm
Schwester Wasse...
Schwester Wasser
Schwester Wasse...
Schwester Wasser
Schwester Wasse...
Schwester Wasser
Schwester Wasse...
Schwester Wasser
Gartenarbeit: u...
Gartenarbeit: unser Hammer
unsere Tomaten
unsere Tomaten
Kürbis
Kürbis
unsere erste ei...
unsere erste eigene Melone
Blick auf die G...
Blick auf die Gurken und Bohnen im Gewächshaus von oben
Tomaten im Gewä...
Tomaten im Gewächshaus
mein Johannisbe...
mein Johannisbeerkuchen
Schutzengel
Schutzengel

Ereignisreiche Zeiten liegen hinter mehr seit ich das letzte Juniwochenende im „Heimaturlaub“ verbrachte und dabei auch gleich die Firmung in Neckarsulm besuchte.

In der darauffolgenden Woche fanden für die Schwestern Exerzitien bei Weihbischof Dr. Johannes Kreidler statt. Ich selbst nahm zwar nicht daran teil, war aber doch indirekt betroffen, da während der Mahlzeiten geschwiegen wurde und die Gottesdienstzeiten verändert waren. Die Laudes begann eine halbe Stunde später und jeden Tag war vor dem Mittagessen eine Messe mit dem Weihbischof. Dies hatte natürlich auch Einfluss auf meine Arbeitszeiten im Garten – morgens später kommen und dann gleich noch früher in die verlängerte Mittagspause gehen…

Eine.Welt.Kirche

Am Ende der Exerzitien besuchte ich mit einigen Schwestern die Jubiläumsveranstaltung zum 50-jährigen Bestehen der Hauptabteilung Weltkirche unserer Diözese in Rottenburg, bei der wir auch einen eigenen Stand hatten (siehe Bild). Neben unserem Bischof waren noch viele Gäste aus verschiedenen Teilen der Welt dabei und es gab ein buntes Programm. Besonders berührt hat uns die Rede des Erzbischofs aus dem Irak und die Begegnung mit einem Bischof aus der Ukraine, der die Bonlandener Schwestern persönlich um ihr Gebet bat.

Einen Tag später wurden die diesjährigen Profess-Jubiläen der deutschen Schwestern mit einem festlichen Gottesdienst in der Klosterkirche gefeiert. Im Anschluss an den Gottesdienst verbrachten die Jubilarinnen den Festtag mit ihren Angehörigen. Dieses Jahr gab es in Bonlanden drei Jubilarinnen: eine Schwester mit 65 Profess-Jahren und zwei weitere Schwestern mit jeweils 60 Profess-Jahren.

 

 

 

Gartenarbeit

Auch der dritte Tag in Folge war etwas Besonderes für die Gemeinschaft, er war vor allem für mich persönlich auf meinem weiteren Weg in Bonlanden wichtig. Damit ist jetzt aber nicht meine „Traktorfahrstunde“ bei der Gartenarbeit gemeint, sondern erst die Vesper am Abend, von der ich im nächsten Abschnitt berichten werde. Zuvor musste ich jedoch wie an jedem Werktag ganz normal arbeiten gehen.

Da mein Kollege bald Urlaub hat, hat er beschlossen, dass ich jetzt auch mal lernen muss mit dem Traktor zu fahren und so drehten wir ein paar Runden um das Klostergelände, während mir ein paar Schwestern beim Spaziergang begeistert zuwinkten. Ich merkte dabei schnell, dass so ein Traktor sich doch etwas anders verhält als ein Auto. Bremsen geht nur mit vollem Körpereinsatz, da ich sonst nicht die Bremse komplett durchtreten kann, und auch die Lenkung hat einen viel kleineren Radius, weshalb ich bei der ersten Linkskurve fast im Kartoffelacker gelandet wäre. Schließlich schaffte ich es doch noch den Traktor erfolgreich in der Garage zu parken…

 

 

Postulatsaufnahme 03.07.2017

Am gleichen Abend fand in der Vesper meine Aufnahme ins Postulat statt. Das Postulat ist die erste offizielle kirchenrechtliche Stufe in der Ordensausbildung und dauert neun Monate. Im Anschluss an das Postulat folgt das Noviziat. Das Wort ‚postulare‘ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „fordern, erbitten“. Man erbittet sich quasi die Aufnahme in die Gemeinschaft und fordert dazu die Begleitung von Gott und der Gemeinschaft auf diesem Weg. Diese Phase soll dem genaueren gegenseitigen Kennenlernen und Hineinfinden in die Gemeinschaft dienen und man soll sich in dieser Zeit weiter prüfen in einem Leben nach dem Evangelium, in dem diese Lebensform gründet.

Die Vesper zur Postulatsaufnahme habe ich zusammen mit unserer Generaloberin Schwester M. Angelika Maiß vorbereitet. Bis auf den Aufnahmeritus im Anschluss an die Lesung war es eine klassische Vesper, für die ich drei Psalmen, das Lied zum Hymnus am Anfang und den Zwischengesang (Responsorium) herausgesucht habe.

Während des Aufnahmeritus überreichte mir unsere Generaloberin ein TAU, das ich als Zeichen meiner Zugehörigkeit zur Gemeinschaft als Postulantin jetzt immer tragen werde. Am Ende sprach sie mir noch den franziskanischen Segen zu.

Auf dem Bild bin ich zusammen mit unserer Generaloberin in der Hauskapelle im Anschluss an die Vesper zu sehen. Weitere Bilder von der Vesper gibt es auf der Seite vom Kloster Bonlanden hier.

Den Tag 03.07. habe ich mir übrigens bewusst ausgesucht, da an diesem Tag das Fest des Hl. Thomas stattfindet und mein Großonkel, der Augustinerpater war und mich getauft hat, mit Geburtsnamen Thomas hieß. Als Lesung wählte ich daher auch das Tagesevangelium vom zweifelnden Thomas und seinem anschließenden Bekenntnis

„mein Herr und mein Gott!“

sowie der anschließenden Aussage von Jesus:

„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“

Nach der Vesper gab es noch ein gemeinsames Abendessen im Refektorium mit einem guten Tropfen „St. Dionysius-Wein“…

Hier in Bonlanden wurde gestern natürlich auch Fronleichnam gefeiert. Es begann mit der Vesper am Vortag, aber eigentlich waren viele von uns schon Tage davor wegen des Blumenschmucks beschäftigt. Am Abend vorher zogen wir auch noch los um die fehlenden Blumen zu holen und stellten diese ins Kühlhaus der Gärtnerei. Es ist schon praktisch, wenn man solche Möglichkeiten vor Ort hat.

Am nächsten Morgen ging es natürlich früh los um den Blumenteppich und Schmuck rechtzeitig fertig zu bekommen. Hier heißt rechtzeitig aber nicht bis zum Gottesdienst, sondern bis zur Laudes um 7 Uhr… Während der Arbeit gab es noch eine kleine Frühstückspause dank unseres Kochs.

Nach der Laudes und dem anschließenden Frühstück wurden noch Teppiche aus den Fenstern gehängt (auch aus meinem Stock) und dann ging es auch schon zum Gottesdienst mit anschließender Prozession zur Herz-Jesu Statue.

Zum Mittagessen gab es noch leckeren selbstgemachten Caipirinha, den eine Schwester aus Brasilien, die im Moment bei uns in Deutschland ist, selbst gemacht hat. Ein paar Impressionen von Fronleichnam in Bonlanden gibt es unten in der Galerie.

Dort sind auch noch weitere Bilder zu finden, z.B. von meiner Arbeit im Garten, auf denen man gut sieht wie alles wächst und gedeiht (vor allem im „Tomatenurwald“).

Allgemeine Themen

Da ich jetzt doch schon eine Weile hier bin, wollte ich auch noch zu ein paar allgemeinen Themen zum Leben hier im Kloster schreiben, da ich schon öfters dazu befragt wurde. Es kann natürlich sein, dass es in anderen Klöstern anders ist. Ich berichte hier nur von meinen eigenen Erfahrungen aus Bonlanden:

Kleidung

Wie man ja schon auf einigen Bildern sehen konnte, laufe ich hier immer noch in zivil herum oder eben in meiner Arbeitskleidung im Garten. Die Einkleidung erfolgt erst im Noviziat, vorher komme ich zuerst noch ins Postulat. Die anderen Schwestern haben hier übrigens eine graue Ordenstracht, an Festtagen tragen sie schwarz.

Haare

Meine Haare werde ich nicht abschneiden müssen (auch wenn ein gewisses Mitglied des Kirchenchors St. Dionysius mit gerne persönlich die Haare abschneiden würde…). Die Generaloberin hätte auch etwas dagegen, wenn jemand auf die Idee käme mir die Haare abzuschneiden.

Klausur

Hier im Kloster gibt es einige Bereiche, welche Gäste nicht betreten dürfen. Diesen Bereich nennt man „Klausur“. Dazu gehören der ganze Wohn- und Schlafbereich der Schwestern (den auch ich nicht betreten darf), der Noviziatsbereich, in dem ich untergebracht bin, das Refektorium (also der Speisesaal der Schwestern) und bei uns in Bonlanden noch unser Innenhof (siehe Bild). Immerhin kann man den Innenhof von den Fenstern aus bewundern (siehe Bildergalerie). Die Hauskapelle dagegen kann von jedem besucht werden.

Auto

Ein eigenes Auto habe ich nicht und brauche ich nicht, da ich ja meistens hier vor Ort bin und sonst ja schließlich Fahrrad fahren kann. Falls ich doch mal eine weitere Strecke fahren muss, gibt es hier einen kleinen „Fuhrpark“ und man kann sich ein Auto reservieren. Bisher habe ich für mich noch kein Auto gebraucht, aber als „Fahrdienst“ war ich schon öfters im Einsatz.

Sport

Manche dachten ja, dass ich hier keinen Sport mehr machen darf, ich bin aber immer noch sportlich aktiv. Ich gehe fast jeden Tag laufen (am liebsten morgens vor der Laudes beim Sonnenaufgang im Illertal), dann noch Radfahren, Inlineskaten und war auch schon im Biberacher Hallenbad schwimmen.

Gehalt

„Gehalt“ im eigentlichen Sinne verdiene ich nicht. Stattdessen lebe ich ja hier in der Gemeinschaft mit, ich habe eine Unterkunft und Verpflegung. Wenn man noch etwas Anderes benötigt, dann bekommt man hier auch, was man braucht. Man muss lediglich die Quittung dazu vorlegen. Bisher hatte ich wirklich nie den Eindruck, dass mir irgendetwas fehlt.

Besuch

In Bonlanden ist es ohne Probleme möglich besucht zu werden, es gibt auch viel zu besichtigen. Für Übernachtungsgäste gibt es auch ausreichend Gästezimmer, falls man auch mal länger bleiben möchte.

Wenn jemand Besuch hat, isst sie normalerweise zusammen mit dem Besuch im Speisesaal des Tagungshauses und nicht wie sonst üblich im Refektorium. Natürlich achtet man schon darauf, dass die eigenen Aufgaben nicht liegen bleiben. Entweder hat man eine Vertretung (z.B. bei Aufgaben im Refektorium) oder der Besuch kann sich während der Arbeitszeit selbst auf dem Klostergelände beschäftigen (es gibt hier viel zu entdecken und auch viele Schwestern, die gerne den Gästen etwas zeigen). Außerhalb der Arbeitszeit geht man natürlich auch noch zu den Stundengebeten und Messen, zu denen die Gäste gerne mitkommen können. Ansonsten bleibt immer noch genügend Zeit um z.B. im Klostercafé zusammen ein leckeres Eis oder eine Torte zu genießen…

Fronleichnam fr...
Fronleichnam früh am Morgen
Fronleichnam - ...
Fronleichnam - Sonnenaufgang
Fronleichnam - ...
Fronleichnam - Lagerung Blumenschmuck im Kühlhaus
Fronleichnam - ...
Fronleichnam - bei der Arbeit
Fronleichnam - ...
Fronleichnam - Blumenteppich
Fronleichnam - ...
Fronleichnam - Frühstück bei der Arbeit
Fronleichnam - ...
Fronleichnam - bei der Arbeit
Fronleichnam - ...
Fronleichnam - Altar und Teppich
Fronleichnam - ...
Fronleichnam - Teppich
Fronleichnam - ...
Fronleichnam - Altar
Fronleichnam - ...
Fronleichnam - Blumenteppich
Fronleichnam - ...
Fronleichnam - Teppiche am Gebäude
Fronleichnam - ...
Fronleichnam - Teppiche am Gebäude
Fronleichnam - ...
Fronleichnam - Teppiche am Gebäude
Fronleichnam - ...
Fronleichnam - Prozession
Fronleichnam - ...
Fronleichnam - Prozession
Fronleichnam - ...
Fronleichnam - Abschluss in der Kirche
Fronleichnam - ...
Fronleichnam - Monstranz
Tomaten im Gewä...
Tomaten im Gewächshaus
Tomaten im Gewä...
Tomaten im Gewächshaus
Aubergine im Ge...
Aubergine im Gewächshaus
Innenhof
Innenhof
Innenhof
Innenhof
Sonnenaufgang v...
Sonnenaufgang von meinem Fenster aus
Im Refektorium
Im Refektorium

Jetzt bin ich schon etwas mehr als einen Monat hier in Bonlanden – wie schnell doch die Zeit vergangen ist und doch habe ich auch den Eindruck, dass ich schon viel länger hier bin. Auch die Generaloberin empfand es so. Als wir uns beim Essen darüber unterhielten, dass ich jetzt einen Monat da bin, sagte sie: „Es kommt mir eher so vor als wären Sie schon ewig hier.“

Mittlerweile hat sich schon etwas der Alltag eingestellt. Ich arbeite noch fleißig im Garten, wo das Unkraut, aber auch die reifen Früchte zunehmen. Zweimal die Woche liefere ich Ware aus und fahre nach Benningen zu einem Bio Laden. An zu heißen Tagen darf ich abends noch den Regner ausschalten, da ich direkt am Garten "wohne". Auch am Wochenende hatte ich schon an den heißen Tagen Gießdienst. Damit ich sonst am Wochenende nicht das Gefühl habe faul zu sein, helfe ich dann im Refektorium beim Tisch decken und abräumen.

Neben der Arbeit gibt es noch regelmäßige Veranstaltungen wie das Bibel teilen, bei dem einmal die Woche das aktuelle Tagesevangelium in einer Gruppe von Schwestern thematisiert wird. Anschließend beten wir die Vesper separat in der Formation, also nur die drei Schwestern, die für meine Ausbildung zuständig sind, und ich. Dies sind immer schöne Abende, die sich auch etwas in die Länge ziehen können, da man mal ohne Zeitdruck essen und sich unterhalten kann (es wartet ja nicht der ganze Konvent bis man endlich fertig ist).

Einmal die Woche habe ich auch eine Stunde „Unterricht“ in Liturgie. Die Themen sind oft passend zum Kirchenjahr, zum Beispiel beim letzten Mal Heiliger Geist, davor Maria im Marienmonat Mai und zu Beginn die Grundlagen des Stundengebets.

Stundengebet

Heutzutage ist das Stundengebet nicht mehr so bekannt, weshalb ich zumindest ein paar Informationen dazu geben möchte (immerhin gibt es ja an Hochfesten normalerweise auch eine feierliche Vesper in St. Dionysius).

Hier in Bonlanden wird in der Hauskapelle (siehe Bild) die Laudes am Morgen, die Vesper am Abend, werktags die Mittagshore (Sext) und am Sonntagabend die Komplet (das Nachgebet) gebetet. Die älteren Schwestern haben mir erzählt, dass früher auch noch die anderen Gebetszeiten gebetet wurden wie die Prim, die Terz oder die Non, aber nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil beschränkte man sich auf diese Gebetszeiten.

Das Stundengebet wird meistens aus dem sogenannten Christuslob gebetet, aber es kommt auch mal vor, dass wir das neue Gotteslob oder eine selbst zusammengestellte Variante verwenden. Die Texte der Vesper und der Laudes gehen immer über vier Wochen, danach fängt man wieder von vorne an.

Die Laudes und die Vesper sind ähnlich aufgebaut. Grob gesagt beginnt man mit einem Hymnus, dann folgen zwei Psalmen und ein Lobgesang entweder aus dem Alten oder aus dem Neuen Testament. Diese Texte werden von Antiphonen (Kehrversen) umrandet. Nach der Lesung kommt ein Antwortgesang und anschließend bei der Laudes das Benedictus (Lobgesang des Zacharias), bei der Vesper das Magnificat (Lobgesang Mariens), bei der Komplet der Lobgesang des Simeon. Es folgen Fürbitten und das Vaterunser vor dem Schlussgebet und Segen. Zum Abschluss wird noch ein kurzes Franziskanisches Loblied gesungen wie dieses:

„Wir beten dich an, unsern Herrn, unsern Gott! Preisen deine Größe, deine Gegenwart.“

Bei der Mittagshorebeschränkt man sich übrigens neben Hymnus, Lesung, Gebet und Segen auf einen Psalm (man muss ja auch wieder arbeiten gehen…).

Feiertage im Kloster

Im Moment ist die Zeit ja geprägt von vielen Feiertagen. Dies merkt man auch im Stundengebet, da es an den Feiertagen eigene Hymnen, Psalmen und Antiphonen gibt. Oft muss man dadurch ziemlich blättern, da im Christuslob beim jeweiligen Fest nur die Antiphon steht, der Psalm dazu aber an einer anderen Stelle bei den normalen Wochentagen.

Das Besondere ist auch, dass ein Feiertag schon immer am Abend vorher mit der Vesper (die sogenannte Vorvesper) beginnt, also wurde zum Beispiel Pfingsten schon am Samstagabend gefeiert.

Besonders schön fand ich auch, dass in der Osterzeit statt der normalen Antiphonen bei den Psalmen meistens „Halleluja“ gesungen wurde.

Ansonsten wurden die Feiertage auch in der Gemeinschaft ein bisschen gefeiert: es gab weiße Tischdecken, am Pfingstsonntag trafen sich alle nachmittags zum Kaffee (dies ist an allen großen Hochfesten so) und es gab wie meistens sonntags zum Mittagessen Eis als Nachtisch…

Bei den Eucharistiefeiern gab es hier keine großen Besonderheiten. An Christi Himmelfahrt machten wir eine kleine Öschprozession zur Herz-Jesu-Statue (siehe Bild) am Weiher mit zwei Stationen – die Prozession war aber viel kürzer als es in Neckarsulm üblich ist und der Gottesdienst fand vorher in der Klosterkirche statt.

Im Mai besuchten wir zusammen eine Maiandacht in der Wallfahrtskirche in Maria Steinbach – eine typische prachtvolle Barockkirche in Bayern. Auch im Konvent wurden Maiandachten im kleinen Kreis einmal die Woche gefeiert zusätzlich zu den beiden Marienandachten in der Kirche mit der Gemeinde.

Besuch

Ein weiterer Höhepunkt im Mai war der Besuch von zwei ehemaligen Kolleginnen über Christi Himmelfahrt, mit denen ich zwei wunderschöne Tage hier verbracht habe. Wir haben uns das ganze Gelände angeschaut, die Blütenbracht und die Schafe ("Schäf" wie die alten Schwestern gerne sagen) bewundert und im Klostercafé Kuchen und Eis verzehrt. Außerdem bekamen bei beiden eine private Führung durch das Krippenmuseum von der Generaloberin und im Kräutergarten von der zuständigen Schwester. Bei den Mahlzeiten habe ich den beiden im Speisesaal Gesellschaft geleistet und nicht wie sonst im Refektorium gegessen. Dies ist auch bei den Schwestern so üblich, wenn man Besuch hat.

Die beiden kamen auch mit zur Vesper, wo die größte Herausforderung war immer die richtige Stelle im Christuslob zu finden, da es wegen Christi Himmelfahrt wie oben beschrieben eine eigene Vesper gab, deren Psalmen an diversen anderen Stellen zu finden waren. Wir haben es aber geschafft!

Fazenda

Außerdem hat uns im Mai hier noch das Thema „Fazenda da Esperança“ beschäftig. Eine „Fazenda da Esperança“ oder einfach nur „Fazenda“ ist hierzulande noch weitgehend unbekannt. Der Begriff kommt aus dem portugiesischen und bedeutet übersetzt „Hof der Hoffnung“.

So werden Einrichtungen bezeichnet, auf denen ehemalige Abhängige ein Jahr lang ihre Rekuperationsphase in Verbindung mit den christlichen Werten und dem Wort Gottes verbringen können. Die Betroffenen sollen in einem ganzheitlichen Prozess frei werden von jeglicher Art von Abhängigkeit wie zum Beispiel Drogen oder Alkohol um anschließend ein neues, selbstverantwortliches Leben zu beginnen. Auf einer Fazenda leben die Betroffenen in Lebensgemeinschaften zusammen und versorgen sich weitgehend selbst. Diese Fazendas sind ursprünglich in Brasilien entstanden und verbreiten sich mittlerweile von dort aus in die ganze Welt. Eine Bonlandener Schwester in Südamerika hilft bei der geistlichen Betreuung einer Fazenda in Argentinien.

Im Mai waren ehemalige Betroffene aus Südamerika auf ihrer „Missionsreise“ durch Europa einen Nachmittag bei uns im Kloster zu Gast, berichteten von den Fazendas, sangen selbstgedichtete Lieder und einer der Gruppe erzählte sehr berührend seine eigene Lebensgeschichte (siehe Bild). Am darauffolgenden Samstag fand auch noch auf einer Fazenda in Irsee bei Kaufbeuren ein Hoffest mit Festgottesdienst zum 10-jährigen Jubiläum dieser Fazenda statt, wo ich zusammen mit der Generaloberin und einer weiteren Schwester dabei war.

Dort sahen wir einen Teil der Gruppe wieder, die zuvor in Bonlanden war. Diese jungen Männer hatten eine Überraschung im Gepäck: ein Video mit einer Grußbotschaft der Bonlandener Mitschwestern aus Südamerika. Als Antwort haben wir ebenfalls ein Video gedreht. Dabei merkten wir wie klein doch die Welt sein kann und dass ein solches Projekt wie die „Fazenda da Esperança“ die Menschen weltweit miteinander verbindet und Hoffnung auf ein besseres Leben gibt.

Hier gibt es noch ein paar Bilder dazu (unten habe ich jetzt übrigens auch eine Bildergalerie mit allgemeinen Bildern aus Bonlanden eingefügt).

 

Bei der Arbeit....
Bei der Arbeit..
Tomaten
Tomaten
Kohlrabi
Kohlrabi
Essbare Blüten
Essbare Blüten
Die ersten Gurk...
Die ersten Gurken
"Schäf" bei der...
Blütenpracht au...
Blütenpracht auf dem Gelände
Blütenpracht im...
Blütenpracht im Kräutergarten
Kräutergarten
Kräutergarten
Auf der Fazenda...
Auf der Fazenda in Irsee
Kapelle der Faz...
Kapelle der Fazenda in Irsee
Festgottesdiens...
Festgottesdienst auf der Fazenda in Irsee
Kirche Maria St...
Kirche Maria Steinbach

 

 

Einmal im Jahr findet im Kloster Bonlanden das "Gute-Erde-Fest" statt. In diesem Jahr wird während des Festes eine weitere Station des Sonnengesangsweges eröffnet:

"Schwester Wasser"

"Gelobt seist du, mein Herr, für Schwester Wasser.
Sehr nützlich ist sie und demütig und kostbar und keusch."

(Auszug aus dem Sonnengesang des Franz von Assisi)

Die erste Station des Sonnengesangsweges, die "Mutter Erde" (siehe Bilder im untersten Beitrag), wurde bereits vor zwei Jahren eröffnet. Jetzt folgt "Schwester Wasser" am Weiher des Klostergelädes (wenn man mit der Maus über das Bild fährt, sieht man die aktuelle Baustelle).

Vielleicht hat ja auch jemand aus Neckarsulm Zeit und Lust auf einen etwas weiteren Sonntagsausflug und möchte zum "Gute-Erde-Fest" am 30. Juli ab 14 Uhr kommen. Ich würde mich auf jeden Fall freuen!

Weitere Informationen zum Fest gibt es hier.

 

Gartenarbeit

Mittlerweile habe ich meine erste Arbeitswoche im Gemüsegarten gut überstanden und kann auf lehrreiche, spannende, unterhaltsame und teilweise auch etwas anstrengende Tage zurückblicken. Die Bioland Gärtnerei besteht aus einem Glashaus und zwei weiteren Gewächshäusern (siehe Bild), Frühbeeten und noch einem Acker (siehe Bild). Das Gemüse wird vor allem in der Klosterküche verwendet, aber auch extern verkauft (z.B. an andere Bauern zur Ergänzung ihrer Hofläden, an Bio-Läden oder an Mitarbeiter).

Da ich selbst nur einen Balkon hatte, fehlt mir schon etwas Erfahrung bei der Arbeit im Garten und auf dem Acker. Aber dank zwei netter Kollegen, die mich sehr gut anleiten und mir viel beibringen, klappte die Arbeit gut.

Die Woche bestand vor allem aus Blumenkohl, Bohnen, Salat, Melonen (!), Staudensellerie, Mangold, Petersilie, Radieschen, Rhabarber, Rucola, Gurken, Kürbis, Zucchini, Spinat, Lauch, … Es wurde geerntet, gesetzt, hochgeleitet, umgetopft, gehackt, Blüten entfernt, Gemüse gewaschen und verpackt.

Beim schlechten Wetter Anfang der Woche hatten wir zum Glück genug in den Gewächshäusern zu tun. Als wir dann auf dem Acker arbeiteten, war herrlicher Sonnenschein. Insgesamt macht es wirklich Spaß draußen im Gemüsegarten zu arbeiten und ich freue mich schon auf die neue Arbeitswoche. Der Muskelkater, auf den die anderen Schwestern gewartet haben, blieb übrigens aus – wahrscheinlich dank meiner jahrelangen sportlichen Aktivitäten.

Feierabend

Die restliche Zeit außerhalb der Arbeit war auch ereignisreich. Am Montag durfte ich die Generaloberin nach Ulm zum Friedensgebet fahren, das fast jeden Montag in einer anderen Gemeinde in Ulm stattfindet. Diesmal wurde es von den Franziskanerinnen von Bonlanden vorbereitet und fand in deren Schule St. Hildegard statt, die ich bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal sah.

Außerdem nahm ich bei diversen gemeinsamen Aktivitäten der Gemeinschaft teil wie z.B. dem gemeinsamen Einüben von neuen Liedern aus dem neuen Gotteslob (die ich schon alle aus Neckarsulm kannte) oder der gemeinsamen Anbetung donnerstags vor dem Mittagsgebet. Es war für mich schon ungewohnt einfach die Arbeit früher zu unterbrechen um schon um halb 12 in der Kapelle zu sein…

Am Dienstag wurde ich bei der Vesper, die ich gemeinsam mit der Hausoberin vorbereitet hatte, feierlich innerhalb der ganzen Gemeinschaft aufgenommen. Die Gemeinschaft schenkte mir dazu ein Tau, das jetzt in meinem Zimmer hängt (siehe Bild).

Tau

Das Zeichen T (Tau) ist der letzte Buchstabe im hebräischen Alphabet. Franziskus verwendete das Zeichen als Segenszeichen für seine Brüder und unterschrieb damit auch seine Briefe darunter diesen Segen für einen Mitbruder:

„Der Herr segne und behüte dich.
Er zeige dir sein Angesicht und erbarme sich deiner.
Er wende dir sein Antlitz zu und schenke dir den Frieden.“

Das Tau ist deshalb heutzutage das Zeichen für die franziskanische Familie als Vermächtnis des heiligen Franziskus.

Stufen der Ordensausbildung

Sicherlich ist in diesem Zusammenhang auch interessant welche einzelnen Stufen es bei der Ausbildung hier im Kloster gibt. Zuerst beginnt man mit einer Probezeit vor den offiziellen kirchlichen Ausbildungsstufen als Vorpostulantin. In diesem Stadium befinde ich mich aktuell. Diese Zeit dient dem gemeinsamen Kennenlernen; man lebt, arbeitet und betet in der Gemeinschaft mit und beide Seiten überlegen in dieser ersten Phase, ob man sich für den nächsten Schritt entscheidet.

Folgende Stufen werden anschließend durchlaufen, deren Bedeutung ich zu gegebener Zeit erläutern werde:

  • Postulat (mindestens neun Monate)
  • Noviziat (ca. zwei Jahre)
  • Zeitliche Profess (fünf Jahre)
  • Ewige Profess

Freizeit

Neben der Arbeit im Gemüsegarten (freitags nur bis zum Mittag und dann Wochenende...) und den gemeinschaftlichen Aktivitäten blieb auch noch Zeit zur freien Verfügung. Natürlich fallen auch hier übliche Haushaltstätigkeiten an wie Wäsche waschen und bügeln, putzen, saugen, ...

Ansonsten nutzte ich die Zeit vor der Arbeit zum Joggen, erkundete am Wochenende die Umgebung mit Inline Skates und Wanderschuhen oder ging teilweise gemeinsam mit den Schwestern spazieren. Wenn es mal regnete oder gar gewitterte las ich, schrieb E-Mails oder verfasste diesen Bericht hier…

Hier gibt es noch einige Bilder von meinen Spaziergängen und aus unserem Gemüsegarten.

 

Gewächshaus: Me...
Gewächshaus: Melonen und Gurken
Frühbeet: Kopfs...
Frühbeet: Kopfsalat
Gewächshäuser
Gewächshäuser
Acker
Acker
Mangold
Mangold
Acker: Salate
Acker: Salate
Rhabarber
Rhabarber
Lourdes Kapelle...
Lourdes Kapelle vom Kloster
Spaziergang in ...
Spaziergang in der Umgebung
Sonnenuntergang...
Sonnenuntergang über dem Nachbarort Erolzheim

Nachdem ich jetzt fast eine Woche in meinem neuen Zuhause bin, möchte ich viele Grüße an meine alte Heimat Neckarsulm senden und über meinen Start hier berichten.

Ankunft

Am 01. Mai 2017 kam ich nach einem festlichen Gottesdienst in St. Dionysius am Nachmittag im Kloster Bonlanden an und wurde von allen herzlich empfangen. Abends wurde im kleinen Kreis mit den für mich zuständigen Schwestern eine Vesper zu meiner Aufnahme gefeiert und anschließend gemeinsam gegessen. Die restliche Woche hatte ich Zeit meine Zimmer (im zweiten Stock im Gebäude auf dem Bild) zu beziehen, die wichtigsten „internen“ Orte kennenzulernen (wo ist die Waschküche etc.), meine Sachen auszupacken und einzuräumen. Ab der kommenden Woche werde ich im Gemüsegarten mithelfen.

Klosteralltag

In der ersten Woche nahm ich ansonsten am normalen Klosteralltag teil, den ich aus früheren Besuchen schon gut kannte. Die Gebetszeiten bestehen in Bonlanden grob zusammengefasst aus der Laudes (Morgenlob) um 7 Uhr, dem Mittagsgebet (Montag bis Freitag) und der Vesper (Abendlob) jeweils in der Hauskapelle. Dienstag bis Donnerstag findet eine Messe zu den regulären Gebetszeiten morgens oder abends statt, samstags um 11:15 Uhr. Außerdem ist werktäglich vormittags eucharistische Anbetung. Die Eucharistiefeier am Sonntag wird zusammen mit der Gemeinde um 9 Uhr in der Klosterkirche (siehe Bild) gefeiert. Aber auch zu den anderen Gebetszeiten in der Kapelle sind Gäste jederzeit willkommen. Den Sonntagabend beschließen die Schwestern nach dem Abendessen mit der Komplet (Nachtgebet) in der Hauskapelle.

Zu den drei Hauptmahlzeiten am Tag wird gemeinsam im Refektorium gegessen. Sollte man jedoch aus beruflichen oder anderen Gründen nicht kommen können, kann man sich auch abmelden. Das gleiche gilt übrigens auch für die Gottesdienste. Außerhalb dieser Zeiten geht jede Schwester ihrer Arbeit nach. Es gibt natürlich auch noch gemeinsame Aktivitäten (z.B. Bibel teilen), von denen ich berichten werde sobald ich sie kennengelernt habe.

Chor

Gleich in der ersten Woche durfte ich zur Probe des Chors „Cantemus“ gehen, der von einer Schwester geleitet wird. Dort habe ich erfahren, dass wir gleich am kommenden Sonntag die Marienandacht mitgestalten werden und ich kannte kein einziges Lied… Ich hoffe, dass mir meine Erfahrung vom Kirchenchor St. Dionysius am Sonntag weiterhelfen wird und zum Glück gibt es ja noch die anderen Sängerinnen und Sänger.

Stiller Tag

Gleich zu Beginn konnte ich auch den sogenannten „stillen Tag“ miterleben, den es einmal im Monat gibt. Früher fand dieser Tag immer sonntags statt, im Moment wird für das restliche Jahr ausprobiert, ob der Tag besser auf den Samstag oder Montag gelegt wird.

Der stille Tag dient der inneren Einkehr - die Schwestern sollen an diesem Tag bewusst zu sich und zu Gott finden und dazu versuchen ihre Arbeit auf einen anderen Tag zu legen. Begonnen wird der stille Tag am Vorabend mit einem Impuls für den kommenden Tag anstatt der Vesper. Das anschließende Abendessen findet im Schweigen statt und auch der ganze nächste Tag wird im Schweigen verbracht bis zur Vesper, mit der ein stiller Tag endet.

Am stillen Tag selbst finden bis zur Vesper keine gemeinsamen Gebets- oder Essenszeiten statt, jede kann den Tag für sich gestalten. Man kann z.B. auch einfach den Rucksack packen und den ganzen Tag unterwegs sein.

Dieses Mal stammte der Impuls aus dem Buch Jesaja (50, 4):

„Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich auf ihn höre wie ein Jünger.“

Über das Kloster Bonlanden:

Nachdem ich jetzt schon einiges über das tägliche Leben hier berichtet habe, wollte ich auch noch kurz das Kloster selbst vorstellen. Das Mutterhaus Bonlanden befindet sich in der Nähe von Memmingen im Landkreis Biberach, es gehört also noch zu Württemberg und somit zur Diözese Rottenburg-Stuttgart. Der offizielle Name lautet „Franziskanerinnen von der Unbefleckten Empfängnis Mariens“, aber umgangssprachlich wird einfach von den „Franziskanerinnen von Bonlanden“ gesprochen.

Gegründet wurde das Kloster von Faustin Mennel nach den Regeln des Heiligen Franziskus Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Hauptaufgabe sollte die Bildung für Frauen und Mädchen sein, weshalb es auch lange Jahre ein Internat im Mutterhaus gab. In Deutschland gibt es noch zwei weitere Standorte mit Schwesternkonvent:

  • in Ulm befindet sich die katholische freie Mädchenschule mit Grund- und Realschule sowie Gymnasium
  • in Villingen-Schwenningen gibt es ein Altenheim und eine Kindertagesstätte

In der deutschen Provinz leben zurzeit knapp unter 30 Schwestern sowie ein Hausgeistlicher, der die Gottesdienste mit den Schwestern feiert. Weit mehr Schwestern leben in Südamerika, wo es Standorte in Brasilien, Argentinien und Paraguay gibt. Dort unterhalten die Schwestern mehrere Schulen und kümmern sich um die Kinder, Jugendlichen und Armen.

 

Im Mutterhaus Bonlanden gibt es heutzutage vielfältige Angebote:

  • Krippenmuseum
  • Hostienbäckerei
  • Bioland-Gärtnerei
  • Mutter-Erde-Garten (siehe Bilder oben)
  • Klosterladen
  • Klostercafé (siehe Bild)

Außerdem befindet sich hier ein Tagungszentrum, das Gästehaus San Damiano und weitere Gästezimmer in den vorhandenen Gebäuden (siehe Bilder unten), wo sowohl Einzelgäste als auch Gruppen übernachten und tagen können. Auch von den Schwestern selbst werden verschiedene Kurse angeboten wie z.B. WEG-Exerzitien, wodurch ich das Kloster Bonlanden kennengelernt habe. Neben den Schwestern sind auch etliche Angestellte in den verschiedenen Bereichen beschäftigt wie zum Beispiel in der Küche, im Tagungshaus, im Garten, in der Anlagenpflege...

Gäste sind also jederzeit herzlich willkommen!!!

Auf der Homepage vom Kloster Bonlanden können Sie noch weitere Informationen finden und hier unten befinden sich noch ein paar Eindrücke aus Bonlanden:

Gründer Faustin...
Gründer Faustin Mennel
Klosterkirche
Klosterkirche
Hauskapelle
Hauskapelle
Gästehaus San D...
Gästehaus San Damiano
Gästebereich Fo...
Gästebereich Fonte Colombo
Mutter Erde Gar...
Mutter Erde Garten
Mutter Erde Gar...
Mutter Erde Garten
Mutter Erde Gar...
Mutter Erde Garten
Mutter Erde Gar...
Mutter Erde Garten